
Cyberkriminalität ist längst kein Problem mehr, das nur große Unternehmen betrifft. Auch Gründer:innen und junge Unternehmen geraten ins Visier von Cyberkriminellen und werden zunehmend Opfer.
Dabei geht es nicht nur um den Diebstahl von Daten: Erfolgreiche Cyberangriffe können den Geschäftsbetrieb unterbrechen, Kundendaten gefährden und hohe Kosten verursachen.
Bedrohung durch Cyberangriffe nimmt zu
Wie groß die Bedrohung inzwischen ist, zeigen aktuelle Zahlen. Nach einer im August 2026 veröffentlichten Bitkom-Studie waren in den vergangenen zwölf Monaten 96 % der befragten Unternehmen von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen oder vermuteten einen solchen Angriff. 63 % registrierten eine Zunahme von Cyberangriffen. 69 % rechnen damit, dass die Zahl der Angriffe in den kommenden zwölf Monaten weiter steigt.
Auch die Schadenshöhe ist erheblich: Die Schäden dur ch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage summierten sich laut Bitkom auf mehr als 211 Milliarden Euro.
Ergänzend dazu: Wegen der wachsenden Zahl nicht eindeutig nachweisbarer Angriffe geht Bitkom davon aus, dass es sogar eine Schadenshöhe bis 270,8 Milliarden Euro geben könnte. Rund drei Viertel – 160,4 bis 205,8 Milliarden Euro – entfielen auf Cyberangriffe.
Das Bundeskriminalamt registrierte für 2025 rund 334.000 Cybercrime-Fälle. Auch das BKA weist darauf hin, dass ein erhebliches Dunkelfeld besteht und die tatsächliche Zahl der Straftaten deutlich höher liegen dürfte.
- Ransomware bleibt ein großes Risiko
Besonders problematisch sind Erpressungsangriffe mit sogenannter Ransomware. Dabei verschlüsseln Kriminelle Daten oder blockieren Systeme und verlangen anschließend Lösegeld. Eine aktuelle Bitkom-Befragung zeigt: 45 % der befragten Unternehmen waren innerhalb eines Jahres von Ransomware betroffen. Bei 25 % entstand dabei ein Schaden. Von den betroffenen Unternehmen zahlten 20 % bereits Lösegeld. Wer zahlte, überwies häufig erhebliche Summen: 24 % der zahlenden Unternehmen zahlten zwischen 100.000 und 500.000 Euro, weitere 10 % sogar 500.000 Euro oder mehr. Für ein junges Unternehmen kann bereits ein Angriff mit deutlich geringerer Schadenssumme existenzbedrohend sein, etwa wenn wichtige Kundendaten, Rechnungen oder Produktionssysteme nicht mehr verfügbar sind. - Phishing: Der Angriff beginnt oft mit einer E-Mail
Nicht jeder Angriff ist technisch hochkompliziert. Häufig versuchen Kriminelle, Beschäftigte oder Unternehmer:innen zur Herausgabe von Zugangsdaten oder zur Ausführung einer schädlichen Datei zu bewegen.
Typische Beispiele sind gefälschte Rechnungen, angebliche Nachrichten von Banken, Paketdiensten oder Geschäftspartner:innen sowie täuschend echt aussehende Login-Seiten. Auch gestohlene Zugangsdaten können anschließend für weitere Angriffe genutzt werden.
Deshalb sollte nicht nur die technische Ausstattung geschützt werden. Man muss auch wissen, woran verdächtige Nachrichten zu erkennen sind und was im Zweifel zu tun ist. - Schadsoftware entwickelt sich ständig weiter
Wie dynamisch die Bedrohung ist, zeigt auch der BSI-Lagebericht 2025: Im dort untersuchten Berichtszeitraum wurden durchschnittlich 309.000 neue Schadprogramm-Varianten pro Tag bekannt – rund 26 % mehr als im vorherigen Berichtszeitraum.
Schadsoftware kann beispielsweise Daten stehlen, Systeme verschlüsseln oder infizierte Geräte für weitere Angriffe missbrauchen. Sicherheitsupdates, aktuelle Schutzsoftware und sichere Passwörter gehören deshalb zur grundlegenden Absicherung. - KI verstärkt die Bedrohungslage zusätzlich
Künstliche Intelligenz erleichtert nicht nur Unternehmen die Arbeit, sondern kann auch Cyberkriminellen helfen. KI kann beispielsweise überzeugende Phishing-Nachrichten, gefälschte Stimmen oder Bilder und personalisierte Betrugsversuche schneller erstellen. Dadurch können Angriffe schwerer erkennbar werden. Auch bei der Entwicklung und Automatisierung von Angriffen spielen KI-Werkzeuge eine zunehmende Rolle.
Für Gründer:innen bedeutet das: Vertraue bei E-Mails, Sprachnachrichten oder Zahlungsaufforderungen nicht allein auf einen professionellen Eindruck! Prüfe ungewöhnliche Anfragen über einen zweiten Kommunikationsweg und schütze wichtige Konten mit Mehr-Faktor-Authentifizierung. Sensible Unternehmensdaten solltest du zudem nicht unüberlegt in öffentliche KI-Dienste eingeben.
Was Gründer:innen tun können
Einen vollständigen Schutz vor Cyberangriffen gibt es nicht. Du kannst aber das Risiko und die möglichen Folgen deutlich reduzieren.
Nachfolgend ein paar wichtige erste Schritte:
- Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) für wichtige Konten aktivieren
- Für jeden Dienst eigene, sichere Passwörter verwenden und möglichst einen Passwortmanager einsetzen
- Betriebssysteme, Programme und Geräte regelmäßig aktualisieren
- Wichtige Daten regelmäßig sichern und mindestens eine Sicherung getrennt vom laufenden System aufbewahren
- Zugriffsrechte auf das notwendige Maß beschränken und nicht mehr benötigte Benutzerkonten löschen
- Beschäftigte regelmäßig für Phishing und andere Betrugsversuche sensibilisieren
- Backups und die Wiederherstellung von Daten regelmäßig testen
- Für den Ernstfall einen Notfallplan erstellen: Wer wird informiert? Welche Systeme müssen abgeschaltet werden? Wie kann der Geschäftsbetrieb weitergehen?
Unser Gründer-MV-Beitrag „Cyberattacke: Ein Notfallplan hilft bei der Schadensbegrenzung im Unternehmen“ zeigt, welche Vorkehrungen Unternehmen treffen können. - Auch die Cloud braucht einen Notfallplan. Ein Ausfall kann beispielsweise durch technische Probleme oder einen Hackerangriff entstehen. In unserem Beitrag „Notfallplan: Wenn die Cloud plötzlich ausfällt“ findest du Hinweise zu Backups, Wiederherstellung, Notfallkommunikation und alternativen Lösungen.
Fazit: Cybersecurity gehört zur Unternehmensgründung
Je stärker ein Unternehmen von digitalen Systemen abhängig ist, desto wichtiger wird IT-Sicherheit.
Das gilt bereits für ein kleines Unternehmen: E-Mail-Konten, Cloud-Dienste, Onlinebanking, Kundendaten und die eigene Website können attraktive Ziele für Cyberangriffe sein.
Cybersecurity sollte deshalb nicht erst dann zum Thema werden, wenn ein Angriff stattgefunden hat.
Wer Zugänge absichert, Daten zuverlässig sichert und einen Plan für den Ernstfall hat, schafft eine wichtige Grundlage für die eigene unternehmerische Arbeit.
Trotz aller Vorsicht kann natürlich immer etwas passieren und eventuelle Schäden durch Cyberangriffe können gerade in kleinen Unternehmen existenzbedrohend sein.
Versicherungen wie die Rechtsschutz- oder die Betriebshaftversicherung decken Cyberrisiken oft nur am Rande ab – oder gar nicht. Das solltest du genau prüfen und auch, ob du eventuell eine Cyberversicherung brauchst.
Mehr zum Thema kannst du in unserem Artikel „Warum du über eine Cyberversicherung nachdenken solltest“ erfahren.
Tipp
Die Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft bietet KMU in Deutschland ein umfassendes Portfolio an kostenfreien Tools und Angeboten.
Mehr dazu findest du auf dieser Internetseite: Cybersicherheit für den Mittelstand.
Barbara Behr






