
Simon Glowik arbeitet zunächst in der IT, studiert berufsbegleitend Wirtschaftsinformatik und baut nebenbei eigene Projekte auf. Sein beruflicher Weg wirkt klar vorgezeichnet. Anfang 2026 entscheidet er sich trotzdem für einen Neuanfang: Er gibt seine Festanstellung auf und konzentriert sich vollständig auf NordFlux. Heute unterstützt der 28-jährige Wismaraner Unternehmen dabei, Prozesse durch Automatisierung und KI effizienter zu gestalten.
„Ein stetiger Hunger nach etwas mehr“
Einen einzelnen Moment, der ihn ins Unternehmertum geführt hat, gibt es für Simon nicht.
Stattdessen setzt sich die Geschichte aus mehreren einzelnen Stationen zusammen. Schon als Kind steht er im Winter auf dem Lübecker Weihnachtsmarkt und spielt Blockflöte. Später verkauft er auf Flohmärkten Bücher und sammelt erste Erfahrungen darin, wie man mit eigener Initiative Geld verdient.
„Meine Eltern haben mir immer früh beigebracht, dass wenn ich etwas haben will, dann muss ich mir das verdienen“, erinnert sich Simon.
Nicht, weil es der Familie an etwas fehlt. Sondern weil Simon früh merkt, dass zusätzliche Wünsche auch zusätzlichen Einsatz erfordern. Ein neuer Computer, ein Handy oder das nächste Videospiel gibt es nicht einfach nebenbei.
„Ein stetiger Hunger nach etwas mehr hat mich immer motiviert“, sagt der Gründer und ergänzt: „Das heißt, es gibt für mich nicht den großen Knall oder die spontane Erkenntnis.“
Während des Abiturs arbeitet Simon in der Gastronomie, später folgen Ausbildung, eigene Projekte und schließlich die Gründung eines Unternehmens. Die Entscheidung für die Selbstständigkeit wächst über Jahre hinweg.
Wie aus Neugier ein Beruf wird
Parallel wächst das Interesse an Technik. Über Videospiele kommt Simon erstmals mit Programmierung in Berührung. Er beschäftigt sich damit, wie sich Spiele verändern und erweitern lassen und interessiert sich zunehmend für die Software dahinter.
Ein wichtiger Schritt folgt mit der Teilnahme am Projekt LIAS der Universität Lübeck. Dort bringen Informatikstudierende Schülerinnen und Schülern das Programmieren näher.
„Dort war mir bereits klar, dass sich aus diesem ,Rumspielen‘ und ,Basteln‘ an Videospielen wohl doch Geld verdienen lässt“, blickt der Wismaraner zurück.
Es folgt eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung. Parallel setzt Simon erste Web- und SEO-Projekte um.
„Gereizt hat mich daran ganz einfach, neben meiner Ausbildung noch etwas dazuzuverdienen“, erzählt der Gründer.
Aus kleineren Aufträgen entsteht mit der Zeit ein Nebenerwerb. „Dann hat es angefangen mit der Fahrschule eines meiner besten Freunde über Freelancer-Portale hin zu ein bis zwei größeren Aufträgen“, berichtet er.
Während das Thema Webdesign heute nur noch vereinzelt eine Rolle spielt, beschäftigt ihn Suchmaschinenoptimierung weiterhin. Dabei erlebt der Unternehmer immer wieder ein ähnliches Problem: „Viele Organisationen haben zwar schicke Webseiten, werden aber leider gar nicht erst gefunden.“

© NordFlux
Lernen als Gewohnheit
Nach der Ausbildung sammelt Simon mehrere Jahre Berufserfahrung in der IT. Er arbeitet in unterschiedlichen Teams, beschäftigt sich intensiv mit Automatisierung und bildet sich kontinuierlich weiter.
Rückblickend habe ihn vor allem das kontinuierliche Lernen geprägt: „Ich glaube das ist mit eine der Eigenschaften, die eine Person egal ob Selbstständig oder festangestellt sehr weit bringen kann.“
Parallel zum Beruf absolviert Simon ein Studium der Wirtschaftsinformatik. Arbeit, Studium und eigene Projekte laufen zeitweise nebeneinander. Gleichzeitig wächst bei ihm der Wunsch, sich beruflich weiterzuentwickeln und neue Herausforderungen anzunehmen.
„Ich hatte schon immer eine Tendenz sehr schnell weiterzukommen und neue Meilensteine zu erreichen“, erklärt Simon und fügt hinzu: „Außerdem habe ich gemerkt, dass so ein Großkonzern viel Sicherheit bietet, aber gleichzeitig auch eine gewisse Grundlast an Richtlinien und Vorgaben mit sich bringt.“
Je länger Simon Beruf, Studium und eigene Projekte parallel vorantreibt, desto häufiger beschäftigt ihn die Frage, wie der nächste berufliche Schritt aussehen könnte. Der Gedanke an ein eigenes Unternehmen wird lauter.
Die Idee hinter NordFlux
Ursprünglich entsteht NordFlux als Nebenerwerb neben Beruf und Studium. Auf die Frage, ob es einen konkreten Moment gab, in dem die Entscheidung zur Vollzeit-Selbstständigkeit fiel, antwortet Simon: „Eigentlich gab es diesen Moment nicht, nein. Denn NordFlux war auch bis Oktober 2025 niemals als Vollzeit Selbständigkeit geplant.“
Die Vorstellung, NordFlux dauerhaft nebenberuflich aufzubauen, verändert sich jedoch mit der Zeit. „Ich hatte schon immer eine Tendenz sehr schnell weiterzukommen und neue Meilensteine zu erreichen“, hebt der Gründer hervor.
Gleichzeitig steht Simon vor einer schwierigen Entscheidung. Er könnte innerhalb einer Festanstellung den nächsten Karriereschritt gehen. Stattdessen stellt er sich eine andere Frage: „Ich habe mir gesagt, dass wenn ich es nicht jetzt versuche, wann dann?“
Zu diesem Zeitpunkt steht noch die Bachelorarbeit aus. Das Studium läuft parallel zum Beruf, NordFlux befindet sich im Aufbau. Dennoch reift die Entscheidung.
„Dann stand ich vor der Wahl: Wechsel ich den Job und bin möglicherweise in ein bis zwei Jahren wieder unglücklich, oder nehme ich den ‚riskantesten‘ aber dafür freischaffenden Weg?“ Schließlich entscheidet er sich für die Selbstständigkeit: „Ich habe mich für Risiko entschieden und gegen alle Gesetze der Vernunft ein sehr großzügiges Gehalt für einen 27-Jährigen hinter mir gelassen.“
Aus dem ursprünglich geplanten Nebenerwerb wird sein neuer beruflicher Mittelpunkt.
„Ein stetiger Hunger nach etwas mehr hat mich immer motiviert.“
Simon Glowik
Allein weiter
Mit der Entscheidung für die Selbstständigkeit beginnt für Simon eine Phase voller Unsicherheit. NordFlux befindet sich noch im Aufbau, Ideen müssen erst zu Leistungen, Projekten und Kunden werden. „Die ersten Monate nach der Gründung liefen holprig“, erinnert er sich.
Zu den üblichen Herausforderungen eines jungen Unternehmens kommt bald eine weitere hinzu. Die ursprünglich gemeinsam mit einem Mitgründer gestartete Unternehmung entwickelt sich anders als geplant.
„Somit habe ich dann kurz vor der NOERD die harte Entscheidung getroffen, dass ich den Weg alleine weiter gehen möchte“, erzählt Simon.
Aus dem gemeinsamen Vorhaben wird damit innerhalb weniger Monate ein Einzelunternehmen. Die Trennung von seinem Mitgründer bezeichnet der Gründer rückblickend als den bislang größten Rückschlag seiner Gründungsgeschichte. „Allerdings war es schon schmerzhaft sich die Situation einzugestehen.“
Während sich die Strukturen im Unternehmen verändern, stellt sich gleichzeitig die nächste Herausforderung: die Finanzierung.
„NordFlux selbst ist bis heute komplett gebootstrapped.“ Das Unternehmen wird damit von Beginn an ohne externe Investoren aufgebaut und finanziert sich aus eigenen Mitteln sowie ersten Umsätzen. Zusätzliche Unterstützung erhält Simon über ein Gründungsstipendium. „Daher habe ich mich aber auch sehr früh darum gekümmert, dass ich ein Gründungsstipendium über die GSA Schwerin erhalte.“
Trotz dieser Unterstützung fällt ihm der Schritt aus der Festanstellung nicht leicht. „Die Sicherheit hingegen war wirklich schwer loszulassen.“ Statt sich davon ausbremsen zu lassen, konzentriert sich Simon darauf, NordFlux weiter aufzubauen und die ersten Kunden zu gewinnen.
„Ich habe mich für Risiko entschieden und gegen alle Gesetze der Vernunft ein sehr großzügiges Gehalt für einen 27-Jährigen hinter mir gelassen.“
Simon Glowik
„Ich glaube, dieser Moment ist jetzt“
Nach den schwierigen ersten Monaten muss sich zeigen, ob aus der Idee auch ein tragfähiges Geschäftsmodell werden kann. Die ersten Aufträge gewinnt Simon über die eigene Online-Präsenz und sein wachsendes Netzwerk.
Mit zunehmender Sichtbarkeit ergeben sich weitere Kontakte und Projekte.
„Außerdem war und bin ich auf vielen Netzwerkveranstaltungen unterwegs. Dort lernt man auch weitere Dienstleister kennen, die sich gerne meine Expertise punktuell dazubuchen.“
Nicht jeder Auftrag entwickelt sich wie erhofft. Einer der ersten eigenständigen Kunden springt bereits nach wenigen Wochen wieder ab. Dennoch gelingt es dem Gründer, neue Projekte zu gewinnen und sein Netzwerk auszubauen.
Heute blickt Simon deutlich optimistischer auf die Entwicklung von NordFlux. Mehrere laufende Projekte und neue Kunden sorgen für Zuversicht.
Auf die Frage, ob es bereits einen Moment gab, in dem er dachte, dass die Gründung wirklich funktionieren könnte, antwortet er:
„Ich glaube dieser Moment ist jetzt.“
Wenn die aktuellen Projekte erfolgreich verlaufen, blickt der Unternehmer positiv auf die kommenden Jahre.
„Bis Ende des Jahres habe ich Projekte, die wirklich spannend sind und ich gegenüber verschiedener Kunden abrechnen kann. Wenn ich die Arbeit dort gut mache, steht mir ein erfolgreiches 2027 entgegen.“

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Netzwerke, die Türen öffnen
Der Aufbau von NordFlux erfolgt nicht im Alleingang. Früh knüpft Simon Kontakte in die Gründungsszene Mecklenburg-Vorpommerns und nutzt verschiedene Unterstützungsangebote. „Das Hauptnetzwerk, wo ich meine ersten Kontakte herhabe, ist die Gründungswerft.“
Über die Jahre kommen weitere Stationen hinzu. Veranstaltungen des Innovation Ports, das TGZ Wismar und die ATI Westmecklenburg begleiten ihn auf seinem Weg in die Selbstständigkeit.
Besonders während der Bewerbung um das Gründungsstipendium erlebt Simon den Wert eines funktionierenden Netzwerks: „Im Prozess des Gründerstipendiums hat mir außerdem die ATI Westmecklenburg viel geholfen und war im Zuge der Antragstellung immer meine persönliche Anlaufstelle.“
Auch heute setzt der Unternehmer auf Austausch und Kooperationen. „Dieses Netzwerk ermöglicht mir außerdem einen Zugang zu ganz anderen Kunden, da ich nicht mehr als Solo-Selbstständiger dastehe.“
Inzwischen engagiert sich Simon selbst für die regionale Gründungsszene. Als Standortleiter der Gründungswerft in Wismar unterstützt er andere Gründerinnen und Gründer beim Netzwerken und Sichtbarwerden.
Warum Wismar?
Simon kommt der Liebe wegen nach Wismar und bleibt bewusst als Gründer.
Vor rund drei Jahren zieht er für seine Partnerin, heute seine Verlobte, an die Ostsee. Was als private Entscheidung beginnt, entwickelt sich wenig später auch beruflich zu einer wichtigen Weichenstellung. Statt in eine größere Stadt zu gehen, baut der Gründer sein Unternehmen in seiner neuen Heimat auf.
Simon habe sich in Wismar schnell wohlgefühlt und sehe dort auch für Unternehmen gute Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade kleinere Betriebe könnten oft schon mit überschaubaren Impulsen wichtige Schritte in Richtung Digitalisierung gehen.
Zugleich schätzt er die Nähe zu Kundinnen und Kunden vor Ort. „Es funktioniert denke ich in Wismar, weil die Leute in der Zeit der KI und dem ganzen Wahn an Möglichkeiten wieder und immer mehr Wert legen auf Authentizität und Präsenz vor Ort.“
So verbindet Simon Glowik mit Wismar heute nicht nur seinen Lebensmittelpunkt, sondern auch den Standort von NordFlux. Von hier aus möchte der Gründer das Unternehmen in den kommenden Jahren weiterentwickeln und neue Impulse für die Digitalisierung im Mittelstand setzen.

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Mehr als ein Unternehmen
NordFlux soll in den kommenden Jahren wachsen. Gleichzeitig beschäftigt Simon die Frage, wie Unternehmen mit den Herausforderungen des demografischen Wandels umgehen können. Technische Lösungen sollen aus seiner Sicht dabei helfen, Wissen langfristig zugänglich und nutzbar zu machen.
Erfolg misst Simon dabei nicht allein an Umsatz oder Unternehmensgröße. Wichtig ist ihm ebenso, Verantwortung für die Menschen in seinem Umfeld zu übernehmen.
„Meinen Freunden ein guter Freund, meiner Familie ein guter Sohn, Bruder und Onkel. Und das wichtigste, meiner Verlobten ein guter Mann.“
Auch sein Rat an andere Gründerinnen und Gründer fällt pragmatisch aus:
„Das Wichtigste ist es anzufangen. Ob und wie alles funktionieren wird, ergibt die Zeit. Habt immer eure Ziele vor Augen und guckt euch um, wer euch wie helfen kann.“
Nach Jahren zwischen Ausbildung, Studium, Festanstellung und Gründung klingt dieser Rat fast wie eine Zusammenfassung seines eigenen Weges: „Das echte Glück findet man nicht hinterm Monitor!“
Mehr erfahren
Wer mehr über Simon Glowik und NordFlux erfahren möchte, findet hier weiterführende Informationen:






