Barrierefreie Website – Was sie bedeutet, wie sie aussieht und wer sie braucht

Barrierefreiheit im Web ist kein Nice-to-have mehr, sondern ein zentraler Bestandteil moderner, nutzerfreundlicher und rechtssicherer Websites.

Zuletzt aktualisiert: 30.01.2026
Person, von der nur ein Teil der Hand zu sehen ist, tippt mit dem Zeigefinger auf einen Monitor mit großer Schrift, die zum Teil verschwommen ist

Eine Website hat heutzutage natürlich jedes Unternehmen. Aber das Thema Digitale Barrierefreiheit ist bei vielen (noch) nicht so im Fokus. Dabei gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung.
Denn eine barrierefreie Website ermöglicht allen Menschen den gleichberechtigten Zugang zu Informationen und digitalen Services – unabhängig von körperlichen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen.

Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit im Web?

Eine barrierefreie Website ist so gestaltet und programmiert, dass sie von möglichst vielen Menschen ohne fremde Hilfe genutzt werden kann. Dazu zählen unter anderem Menschen mit:
- Sehbehinderungen oder Blindheit
- Hörbehinderungen oder Gehörlosigkeit
- motorischen Einschränkungen
- kognitiven oder neurologischen Einschränkungen
- altersbedingten Einschränkungen

Auch Nutzer und Nutzerinnen mit temporären Einschränkungen (z. B. gebrochener Arm, grelles Sonnenlicht, langsame Internetverbindung) profitieren von barrierefreiem Webdesign.
Die international anerkannten Richtlinien dafür sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG).

Wie sieht eine barrierefreie Website überhaupt aus?

Barrierefreie Websites sind meistens besonders klar, strukturiert und nutzerfreundlich. Eine barrierefreie Website fühlt sich vor allem intuitiv an – ist also einfacher nutzbar für alle.

Typische Merkmale sind:
- Klare Struktur und logischer Aufbau (Überschriften, Absätze, Listen)
- Gute Farbkontraste zwischen Text und Hintergrund
- Lesbare Schriftgrößen und skalierbarer Text
- Bedienbarkeit per Tastatur (ohne Maus)
- Alternativtexte für Bilder (für Screenreader)
- Verständliche, einfache Sprache
- Eindeutig beschriftete Formulare und Buttons
- Untertitel oder Transkripte für Audio- und Videoinhalte

Wer muss eine barrierefreie Website haben?

Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) wird die Pflicht zur digitalen Barrierefreiheit in Deutschland ab 2025 deutlich ausgeweitet. Barrierefreiheit ist damit in vielen Fällen gesetzlich vorgeschrieben.
Verpflichtend ist sie insbesondere für:
- Öffentliche Stellen und Behörden
- Kommunen, Hochschulen, öffentliche Einrichtungen
- Unternehmen, die digitale Dienstleistungen für Verbraucher anbieten
(z. B. Online‑Shops, Buchungsportale, ausgenommen sind hier nur Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und weniger als 2 Mio. € Jahresumsatz).

Eigentlich lohnt sich Barrierefreiheit für Unternehmen jeder Größe.
Denn barrierefreie Websites
- verbessern die Nutzerfreundlichkeit für alle
- stärken Vertrauen, Professionalität und Markenimage
- wirken sich positiv auf SEO aus
- sind auf mögliche zukünftige gesetzliche Anforderungen vorbereitet

Sie sorgen für digitale Teilhabe, bessere Usability und rechtliche Sicherheit. Sie sind kein Sonderfall für wenige, sondern ein Qualitätsmerkmal moderner Websites.
Wenn du also Barrierefreiheit ernst nimmst, gestalte eine Website, die weitgehend für alle gut nutzbar ist!

Checkliste: Ist deine Website barrierefrei?

Mit Hilfe der nachfolgenden Checkliste erkennst du, ob deine Website barrierefrei ist.
Diese Checkliste ersetzt natürlich keine professionelle Prüfung, bietet aber eine solide Ersteinschätzung, die du nutzen kannst.

1. Struktur & Navigation

2. Design & Lesbarkeit

3. Inhalte & Sprache

4. Formulare & Interaktionen

5. Medien (Bilder, Video, Audio)

Und bei tiefergehenden Kenntnissen beim Thema Programmierung:

6. Technik & Code

7. Tests & Tools

Tipp

Es gibt zahlreiche kostenfreie Apps, die deine Seite auf Barrierefreiheit überprüfen. So bietet z. B. die W3C Web Accessibility Initiative (WAI) eine ausführliche Liste an Hilfsinstrumenten an.
Diese Auflistung findest du hier: W3C Web Accessibility Initiative.
Auch wenn einige der Ergebnisse etwas „technisch“ herüberkommen können, bieten sie auf alle Fälle wichtige Hinweise auf Mängel und notwendige Verbesserungen.

Last but not least: Barrierefreiheit in den Sozialen Medien

Natürlich sind auch Soziale Medien nicht automatisch barrierefrei. Zwar bieten die Plattformen technische Möglichkeiten wie Alt-Texte und Untertitel, doch die tatsächliche Barrierefreiheit hängt stark davon ab, wie du deine Inhalte erstellst. Typische Barrieren sind Bilder z. B. ohne Alternativtexte, Videos ohne (korrekte) Untertitel, Text in Grafiken, schlechte Farbkontraste und sehr kleine Schriften.

Deshalb auch hier:
- Alt-Texte für Bilder pflegen
- Videos immer mit Untertiteln versehen
- Wichtige Informationen auch im Text nennen
- Klare, einfache Sprache verwenden
- Hashtags am Ende des Beitrags
- Auf gute Kontraste und lesbare Schrift achten

Rechtlich besteht für Unternehmen meist keine direkte Pflicht, hier für Barrierefreiheit zu sorgen. Dennoch wird barrierefreie Kommunikation zunehmend erwartet. Außerdem verbessert sie auch hier Reichweite, Verständlichkeit und das Markenimage.

Fazit

Stehst du gerade erst am Anfang deiner Gründung, solltest du die Möglichkeit nutzen, deine Auftritte von vornherein barrierefrei zu planen.
Denn Barrierefreiheit sollte von Anfang an mitgedacht werden!
Sie lässt sich aber auch auf deiner bereits bestehenden Websites und deinen anderen Plattformen oft ohne großen Aufwand verbessern.
Vor allem aber: Barrierefreiheit schaffen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess – besonders bei neuen Inhalten oder Relaunches!