
- Wer gründet aus der Wissenschaft?
- Was sind die Gründungsmotive?
- Innovationen und Patente haben einen hohen Stellenwert
- Internationale Märkte und Künstliche Intelligenz im Blick
- Gründungsberatung und Hochschulangebote geben wichtige Impulse
- Wissenschaftliches Wissen wirtschaftlich nutzen
- Über den Academic Entrepreneurship Monitor 2025/26
Junge Gründer:innen, innovative Geschäftsideen und eine starke internationale Ausrichtung: Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterscheiden sich in mehreren Punkten von anderen Unternehmensgründungen.
Das zeigt der aktuelle Academic Entrepreneurship Monitor 2025/26 des RKW Kompetenzzentrums. Die Studie untersucht, welche Besonderheiten wissenschaftsbasierte Gründungen aufweisen und welche Faktoren sie beeinflussen.
Wer gründet aus der Wissenschaft?
Laut Studie geben 2,6 % der deutschen Bevölkerung an, ein Unternehmen aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung heraus gegründet zu haben oder eine solche Gründung zu planen. Ziel ist es, zumindest einen Teil des dort entstandenen Wissens wirtschaftlich zu verwerten.
Die Gründer:innen sind vergleichsweise jung: Ihr Durchschnittsalter liegt bei knapp 30 Jahren. Bei Gründer insgesamt sind es rund 36 Jahre.
Auch das familiäre Umfeld spielt eine größere Rolle. Bei 60 % der wissenschaftlichen Gründer ist oder war mindestens ein Elternteil selbstständig. Bei den übrigen Gründer trifft dies lediglich auf knapp ein Drittel zu.
Was sind die Gründungsmotive?
- Die Mehrheit der TEA-Ausgründerinnen und -Ausgründer möchte mit ihrer Gründung den Lebensunterhalt verdienen, weil Arbeitsplätze rar sind (69 %), und/oder hohes Einkommen und Wohlstand erreichen (66 %).
- 62 Prozent wollen mit ihrem Unternehmen die Welt verändern. Bei Gründer:innen insgesamt sind es 42 Prozent.
- 50 Prozent nennen die Fortführung einer unternehmerischen Familientradition als Gründungsmotiv. Bei Gründer:innen insgesamt sind es 30 Prozent.
- 60 Prozent haben oder hatten mindestens ein selbstständiges Elternteil. Bei den übrigen Gründer:innen ist es knapp ein Drittel.
Innovationen und Patente haben einen hohen Stellenwert
Wissenschaftliche Ausgründungen sind besonders innovationsorientiert. Das zeigt sich unter anderem bei neuen Produkten, Dienstleistungen und Verfahren.
6,2 % der Ausgründer bieten Produkte oder Dienstleistungen an oder planen dies, die eine Neuheit für den Weltmarkt darstellen. Bei den Gründer insgesamt sind es 3,9 %.
Bei technologischen und prozessbezogenen Innovationen liegt das Verhältnis bei 5,9 zu 3,9 %.
Auch der Schutz geistigen Eigentums ist ein wichtiges Thema: 67 % der wissenschaftlichen Gründer planen, innerhalb der kommenden zwei Jahre Schutzrechte anzumelden. Bei allen Gründer beträgt dieser Anteil lediglich 27 %.
Internationale Märkte und Künstliche Intelligenz im Blick
Wissenschaftliche Ausgründungen denken häufiger über den deutschen Markt hinaus. Rund 29 % weisen eine hohe Exportintensität auf oder planen diese. Bei den Gründer insgesamt sind es rund 17 %.
Auch Künstliche Intelligenz spielt eine größere Rolle: Mehr als die Hälfte der Ausgründer hält KI für das eigene Geschäftsmodell und die Unternehmensstrategie in den kommenden drei Jahren für sehr wichtig. Bei den Gründer insgesamt liegt der Anteil bei rund 33 %.
Nachhaltigkeit gehört ebenfalls häufiger zur Unternehmensstrategie. 72 % der wissenschaftlichen Gründer haben im Jahr vor der Befragung Maßnahmen ergriffen, um die Umweltwirkungen ihres Unternehmens zu reduzieren. Bei den übrigen Gründer waren es 42 %.
Gründungsberatung und Hochschulangebote geben wichtige Impulse
Eine weitere Besonderheit ist die intensive Nutzung von Unterstützungsangeboten. Rund 78 % der wissenschaftlichen Gründer haben eine Gründungsberatung in Anspruch genommen. Bei den Gründer insgesamt liegt der Anteil bei rund 40 %.
Dafür stehen ihnen im Hochschulumfeld spezielle Anlaufstellen zur Verfügung. Dazu gehören Gründungszentren, Wissens- und Technologietransferstellen sowie Förderprogramme wie EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft.
Auch die Entrepreneurship Education an Hochschulen trägt zur Gründungsbereitschaft bei: Rund 70 % der wissenschaftlichen Gründer geben an, dass entsprechende Bildungsangebote für ihre Gründung oder geplante Gründung ausschlaggebend waren. Bei den Gründer insgesamt sind es knapp 45 %.
Wissenschaftliches Wissen wirtschaftlich nutzen
Wissenschaftliche Ausgründungen bringen häufig innovative Technologien und neue Lösungen hervor. Gleichzeitig sind sie stärker international ausgerichtet und beschäftigen sich intensiver mit Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz und Nachhaltigkeit.
Damit dieses Potenzial besser genutzt werden kann, kommt es auf geeignete Rahmenbedingungen an. Dazu gehören insbesondere ein erleichterter Zugang zu Finanzierungen, weniger bürokratische Hürden und eine gezielte Unterstützung des Wissens- und Technologietransfers.
Über den Academic Entrepreneurship Monitor 2025/26
Der Academic Entrepreneurship Monitor 2025/26 wurde vom RKW Kompetenzzentrum gemeinsam mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen erstellt.
Die Untersuchung basiert auf den Daten des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Deutschland 2025 (Wir hatte mit unserem Artikel vom 13. Juli 2026 über den „Global Entrepreneurship Monitor 2025/2026: Länderbericht Deutschland“ informiert).
Die vollständige Studie steht beim RKW Kompetenzzentrum kostenlos zur Verfügung: Academic Entrepreneurship Monitor 2025/26 – RKW Kompetenzzentrum (mit PDF-Download).
Barbara Behr






