Die stille Gründer-Blase prägt zunehmend das deutsche Gründungsgeschehen: Die Zahl der Existenzgründungen steigt, doch zahlreiche Vorhaben entwickeln sich nicht zu stabilen Unternehmen. Besonders in strukturschwächeren Regionen wird diese Verschiebung deutlich sichtbar.
Aktuelle Daten des KfW‑Gründungsmonitors 2025 zeigen, dass der jüngste Anstieg der Gründungstätigkeit nahezu vollständig auf Nebenerwerbsgründungen zurückzuführen ist.
Im Jahr 2024 stieg ihre Zahl auf 382.000 Personen (+5 Prozent), während Vollerwerbsgründungen leicht zurückgingen und bei 203.000 Personen (-1 Prozent) lagen.
Auch die Planungsquote – ein wichtiger Indikator für die Gründungsdynamik – erholte sich nach einem historischen Tief 2023 zwar wieder, liegt mit 4,9 Prozent jedoch weiterhin deutlich unter früheren Niveaus.
Gründungsaktivität steigt – wirtschaftliche Substanz stagniert
Der Anstieg auf insgesamt 585.000 Existenzgründungen im Jahr 2024 (+3 Prozent) verdeckt tiefere strukturelle Veränderungen und verstärkt die stille Gründer‑Blase, da zahlreichen Vorhaben die langfristige wirtschaftliche Substanz fehlt.
Die zunehmende Dominanz von Nebenerwerbsgründungen führt zwar zu einer hohen Zahl neuer Einzelvorhaben, jedoch nicht automatisch zu langfristig tragfähigen Unternehmen.
Parallel erleichtert die Digitalisierung den Zugang zur Selbstständigkeit erheblich – begünstigt aber zugleich viele kleinteilige, oftmals austauschbare Geschäftsmodelle.
Eine Analyse des DIHK zeigt zudem, dass Unternehmen 2026 konsequent an ihrer digitalen Entwicklung festhalten. Dies stärkt kosteneffiziente, flexible Gründungen weiter – ein Treiber für Solo‑Selbstständigkeit und niedrigschwellige Geschäftsmodelle.
Strukturelle Faktoren verstärken die stille Gründer‑Blase
Dominanz der Solo‑Selbstständigkeit
Deutschlandweit handelt es sich bei einem großen Anteil der Neugründungen um Ein‑Personen‑Unternehmen – ein Muster, das in Mecklenburg‑Vorpommern besonders ausgeprägt ist. Diese Modelle schaffen Agilität, sind jedoch anfällig für Einkommensschwankungen, Nachfragerückgänge und Preisdruck.
Digitale Gründungen auf Höchststand
Der KfW‑Gründungsmonitor 2025 dokumentiert, dass 36 Prozent aller Gründungen 2024 digitale Geschäftsmodelle waren – ein historischer Höchststand. Damit steigt die Zahl der Modelle, die schnell skalierbar, aber auch schnell ersetzbar sind.
Hoher Einstieg – niedrige Umsetzungsquote
Trotz einer leichten Erholung der Planungsquote bleibt die Zahl der tatsächlich umgesetzten Gründungen vergleichsweise niedrig. Viele Vorhaben verbleiben in der Ideenphase oder werden lediglich als Nebenerwerb betrieben – ein wesentlicher Verstärker der stillen Gründer‑Blase.
Regionale Relevanz: Warum MV besonders betroffen ist
IIn Mecklenburg‑Vorpommern treffen mehrere strukturelle Faktoren zusammen:
- hoher Anteil an Solo‑Gründungen
- viele nebenberufliche Gründungsmodelle
- geringe Skalierungsdynamik
- demografische Herausforderungen
- begrenzte regionale Nachfrage
Damit zeigt sich das Phänomen der stillen Gründer‑Blase im Nordosten besonders deutlich:
Viel Bewegung, aber wenig nachhaltiges Wachstum.
Digitale und KI‑gestützte Gründungen als Beschleuniger
Künstliche Intelligenz, automatisierte Prozesse und digitale Plattformen ermöglichen Gründungen mit extrem niedrigen Eintrittshürden. Websites, Designs, Social‑Media‑Inhalte oder Shops lassen sich heute in Minuten erstellen.
Zwar erleichtert das den Zugang zum Unternehmertum, doch viele der daraus entstehenden Geschäftsmodelle sind margenschwach, schwer differenzierbar oder leicht kopierbar.
Damit wirken digitale Tools als Katalysator – insbesondere in Regionen, in denen strukturelle Wachstumshemmnisse bereits bestehen.
Was Gründende benötigen, um die stille Gründer‑Blase zu durchbrechen
Um den beschriebenen Entwicklungen wirkungsvoll zu begegnen, benötigen Gründende mehr als nur eine gute Idee oder den Mut zum ersten Schritt. Entscheidend sind Rahmenbedingungen und Unterstützungsangebote, die langfristige Stabilität ermöglichen.
Ehrliche Beratung statt Schönwetter-Erzählungen
Realistische Einschätzungen zur Marktgröße, zu Umsatzchancen und Risiken sind essenziell. Professionelle Beratung, die auch schwierige Szenarien anspricht, erhöht die Wahrscheinlichkeit nachhaltiger Geschäftsmodelle deutlich.
Austausch und Netzwerke
Gründungen, die isoliert entstehen, bergen ein höheres Risiko zu scheitern. Gemeinschaften, Mentoring-Angebote und regionale Netzwerke schaffen Orientierung, Inspiration und frühzeitige Korrekturmöglichkeiten.
Förderung über die Gründung hinaus
Die größten Herausforderungen treten oft erst nach der Unternehmensgründung auf – etwa beim Aufbau eines stabilen Kundenstamms, bei Preisfindung, Skalierung oder Finanzierung. Förderangebote sollten diese zweite Phase stärker adressieren.
Positive Fehlerkultur
Scheitern ist Teil unternehmerischer Entwicklung. Viele erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer haben mehrere Anläufe gebraucht, bevor ein tragfähiges Modell entstand. Eine Kultur, die Fehler nicht stigmatisiert, sondern als Lernschritte begreift, stärkt die gesamte Gründungsszene.
Fazit: Wege aus der stillen Gründer‑Blase
Die aktuelle Datenlage zeigt deutlich: Die Zahl der Gründungen in Deutschland steigt, doch die wirtschaftliche Substanz wächst nicht im gleichen Maß.
Der Trend hin zu Nebenerwerbs‑ und Solo‑Gründungen, kombiniert mit einer wachsenden Dominanz digitaler und KI‑gestützter Geschäftsmodelle, führt zu einer stillen Gründer‑Blase, deren Auswirkungen besonders in Mecklenburg‑Vorpommern sichtbar werden.
Um die Gründungslandschaft nachhaltig zu stärken, braucht es stärkere Post‑Gründungs‑Strukturen, realistische Geschäftsmodelle, ausgereifte Beratungsangebote und eine intensivere Unterstützung bei Unternehmenswachstum und Skalierung.
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Titelbild erst. v. VTM via Canva

