Personen mit Einwanderungsgeschichte: Ein wichtiger Motor für Gründungen in Deutschland

Personen mit Einwanderungsgeschichte bevorzugen die berufliche Selbstständigkeit deutlich häufiger als die Gesamtbevölkerung.

Zuletzt aktualisiert: 12.01.2026
drei Personen sind an einem Tisch zu sehen und blicken auf einen von zwei Laptops

Personen mit Einwanderungsgeschichte spielen eine zentrale Rolle für die Gründungsdynamik in Deutschland. Aktuelle Auswertungen des KfW-Gründungsmonitors zeigen jedoch: Trotz überdurchschnittlicher Gründungsneigung wird dieses Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

1. Überdurchschnittlicher Beitrag zur Gründungstätigkeit

Mehr als jede vierte Person in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Unter Gründerinnen und Gründern ist ihr Anteil mit rund 30 Prozent sogar noch höher. Im Jahr 2024 entsprach das etwa 178.000 Existenzgründungen. Damit wird deutlich: Personen mit Einwanderungsgeschichte sind ein tragender Pfeiler der deutschen Gründungslandschaft und leisten einen überproportionalen Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik.

2. Hohe Selbstständigkeitspräferenz – aber ungenutztes Potenzial

Personen mit Einwanderungsgeschichte bevorzugen die berufliche Selbstständigkeit deutlich häufiger als die Gesamtbevölkerung. Rund ein Drittel würde sich grundsätzlich für diesen Weg entscheiden, gegenüber nur einem Viertel insgesamt. Auch die Gründungsbereitschaft ist hoch: Fast jede zweite Person mit Einwanderungsgeschichte kann sich vorstellen, künftig ein Unternehmen zu gründen. Dennoch spiegelt sich diese hohe Bereitschaft nicht vollständig in der tatsächlichen Zahl der Gründungen wider.

3. Zurückhaltung bereits vor der konkreten Gründungsplanung

Ein genauer Blick zeigt: Sobald eine konkrete Gründungsplanung beginnt, unterscheiden sich Personen mit und ohne Einwanderungsgeschichte kaum noch. Das heißt, ein begonnener Gründungsprozess wird ähnlich häufig erfolgreich umgesetzt. Die Zurückhaltung entsteht also früher – beim Schritt von der grundsätzlichen Bereitschaft hin zur konkreten Planung. Hier gehen offenbar bereits Potenziale verloren.

4. Hemmnisse insgesamt seltener – mit einer wichtigen Ausnahme

Finanzielle Risiken, Bürokratie oder Einkommensunsicherheit werden von Personen mit Einwanderungsgeschichte insgesamt seltener als Hinderungsgründe genannt als in der Gesamtbevölkerung.
Eine klare Ausnahme bildet jedoch das gesellschaftliche Ansehen von Selbstständigkeit.
Ein geringeres Gründerimage hält Personen mit Einwanderungsgeschichte deutlich häufiger davon ab, ihren Gründungswunsch umzusetzen – besonders in der ersten Generation und bei später Zuwanderung im Erwachsenenalter.

5. Gründerimage stärken, Potenziale heben

Das Gründerimage ist nicht das einzige Hindernis, aber ein relevanter Rahmenfaktor. Eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung von Selbstständigkeit könnte dazu beitragen, zusätzliche Gründungspotenziale zu erschließen. Wichtig wäre es, früh anzusetzen – etwa in Schulen –, und Selbstständigkeit als gleichwertige Erwerbsform zur abhängigen Beschäftigung zu vermitteln. Angesichts der Bedeutung von Unternehmertum für Innovation und Mittelstand ist eine Stärkung des Gründerimages nicht nur wünschenswert, sondern wirtschaftlich notwendig.

Quelle: Kurzbericht KfW