Mehr gewerbliche Gründungen im ersten Halbjahr 2026

Im ersten Halbjahr 2026 ist die Zahl der Neugründungen deutlich gestiegen, stellt das Statistische Bundesamt fest.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland rund 352.400 Gewerbe neu gegründet. Das waren 8,3 % mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Auch die Zahl der Gewerbeanmeldungen insgesamt stieg: Sie lag mit rund 418.100 um 8,1 % über dem Vorjahreswert.
Zu den Gewerbeanmeldungen gehören neben Neugründungen auch beispielsweise Betriebsübernahmen, Umwandlungen und Zuzüge aus anderen Meldebezirken.

Auch mehr Gründungen größerer Betriebe

Bei den Gründungen von Betrieben mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung zeigt sich ebenfalls ein Anstieg. Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund 69.600 solcher Betriebe gegründet. Das entspricht einem Plus von 3,0 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.
Als Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung gelten unter anderem Gründungen durch juristische Personen und Personengesellschaften. Auch Einzelpersonen können in diese Gruppe fallen, beispielsweise wenn sie im Handelsregister eingetragen sind, Beschäftigte haben oder bei der Gründung eine Handwerkskarte besitzen.

Weniger vollständige Gewerbeaufgaben

Gleichzeitig wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 246.600 Gewerbe vollständig aufgegeben. Das waren 0,1 % weniger als im Vorjahreszeitraum.
Bei den Betrieben mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung fiel der Rückgang deutlicher aus: Rund 49.800 Betriebe dieser Gruppe wurden vollständig aufgegeben. Das waren 3,8 % weniger als im ersten Halbjahr 2025.

Eine vollständige Gewerbeaufgabe bedeutet dabei nicht dasselbe wie eine Gewerbeabmeldung. Bei einer Abmeldung kann es sich beispielsweise auch um einen Betriebsverkauf, eine Umwandlung oder einen Fortzug in einen anderen Meldebezirk handeln.

Hinweis: Freiberufler:innen und bestimmte andere selbstständige Tätigkeiten fehlen in dieser Statistik, sodass es sich hier nur um einen Ausschnitt aus dem Gründungsgeschehen handelt.
Hier wäre der KfW-Gründungsmonitor 2026 eher eine Quelle, der Zahlen für das Gesamtjahr 2025 dokumentiert. Er erfasst ausdrücklich sowohl gewerbliche als auch freiberufliche Gründungen. Außerdem berücksichtigt er Voll- und Nebenerwerbsgründungen sowie Neugründungen und Übernahmen.
Den KfW‑Gründungsmonitor 2026 findest du hier oder du schaust einfach mal in unseren Artikel „KfW-Gründungsmonitor 2026: Mehr Gründungen im Nebenerwerb“ vom 20.05.2026.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 287/2026

Was die Zahlen für Gründer:innen bedeuten

Die Destatis-Zahlen zeigen die Menge der Gründungen, sagen aber nicht, welche Motive dahinterstehen oder wie erfolgreich die Unternehmen später sind.

Mehr Gründungen bedeuten nicht automatisch mehr chancengetriebene Start-ups oder eine bessere wirtschaftliche Lage.
Der Anstieg kann verschiedenste Gründe haben, z. B. die folgenden:

  • Ein Teil des Anstiegs kann daraus entstehen, dass Selbstständigkeit als Alternative zu einer unsicheren Beschäftigung betrachtet wird. Wirtschaftlicher Druck und fehlende Erwerbsalternativen können eine wichtige Rolle spielen. Was aber nicht bedeutet, dass diese Gründungen nur „Notlösungen“ sind. Manchmal haben sie nur den richtigen Anstoß gebraucht!
  • Ein weiterer Faktor ist der starke Anstieg der Nebenerwerbsgründungen bereits seit 2025: Rund 70 Prozent der Gründungen erfolgten 2025 neben einer anderen Tätigkeit. Als häufigstes Motiv nannten die Befragten zusätzliches Einkommen. Eine Gründung im Nebenerwerb ermöglicht es außerdem, eine Geschäftsidee zunächst mit geringerem finanziellen Risiko zu testen und schrittweise auszubauen.
    Das motiviert zum Umsetzen und Ausprobieren eigener Idee durch eine Gründung.
  • Besonders Künstliche Intelligenz kann neue Geschäftsmodelle ermöglichen und den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern.
    Das ist für Gründer:innen besonders relevant. Denn digitale Geschäftsmodelle benötigen teilweise weniger Personal, Kapital oder physische Infrastruktur als klassische Unternehmensgründungen. Dadurch können manche Ideen schneller und mit geringeren Einstiegskosten umgesetzt werden.
  • Für innovative Start-ups gibt es ebenfalls positive Signale: Deutsche Start-ups haben im ersten Quartal 2026 rund 1,7 Milliarden Euro Wagniskapital eingesammelt – 6 Prozent mehr als im ersten Quartal 2025. Zudem beteiligten sich internationale Investoren wieder stärker.
    Das betrifft allerdings vor allem wachstumsorientierte Start-ups und lässt sich nicht auf das gesamte Gründungsgeschehen übertragen.

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass unterschiedliche Wege in die Selbstständigkeit an Bedeutung gewinnen. Eine Gründung kann aus einer konkreten Marktchance entstehen, zunächst im Nebenerwerb starten oder eine Alternative zu einer unsicheren Beschäftigung darstellen.

Fazit

Gründen heißt immer auch: Chancen erkennen und nutzen!
Für Gründer:innen entstehen derzeit in vielen Bereichen neue Möglichkeiten: Digitale Geschäftsmodelle lassen sich mit vergleichsweise wenig Infrastruktur starten, KI eröffnet neue Geschäftsfelder und neue Bedürfnisse und veränderte Märkte schaffen zusätzlichen Bedarf an innovativen Lösungen.

Wenn du eine konkrete Idee, entsprechende Marktkenntnis und ein passendes Geschäftsmodell mitbringst, kann du diese Entwicklungen für deinen eigenen Gründungsweg nutzen.

Barbara Behr

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