PISA-Studie: Wer gründet die Unternehmen von morgen?

Die PISA-Studie zeichnet jüngst ein ernüchterndes Bild vom deutschen Bildungssystem. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften sind auf einem historischen Tiefstand angekommen. Doch was auf den ersten Blick wie ein reines Bildungsthema wirkt, hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Denn für Mecklenburg-Vorpommern stellt sich nicht nur die Frage, wie gut junge Menschen lernen, sondern auch, wer künftig die Unternehmen gründet, die Innovationen vorantreiben, Arbeitsplätze schaffen und den Standort wettbewerbsfähig halten.

PISA-Studie ist auch ein Wirtschaftsthema

Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie (2025) betreffen nicht nur Schulen und Bildungspolitik. Sie geben auch Hinweise darauf, wie gut Deutschland auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre vorbereitet ist. Nach Angaben des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) erreichen deutsche Jugendliche in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Werte seit Beginn der PISA-Erhebungen.

Rund ein Drittel der Jugendlichen verfehlt in Lesen und Mathematik das von der OECD definierte Mindestniveau für eine erfolgreiche Teilhabe an Ausbildung, Beruf und Gesellschaft.

Für Mecklenburg-Vorpommern lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Studie. Das Land steht vor mehreren Herausforderungen zugleich: dem Fachkräftemangel, dem demografischen Wandel und dem Anspruch, mehr innovative Unternehmen und wissensintensive Gründungen hervorzubringen.

Wer heute ein Unternehmen aufbaut, sucht nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gesucht werden Menschen, die komplexe Probleme lösen, neue Technologien verstehen, Verantwortung übernehmen und sich in einer sich wandelnden Arbeitswelt zurechtfinden. Die Jugendlichen, die in der PISA-Studie getestet wurden, bilden einen Teil dieses künftigen Fachkräfte- und Gründerpotenzials.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Studie liegt deshalb nicht allein in den gemessenen Punktzahlen. Sie liegt auch in der Frage, welche Voraussetzungen die nächste Generation mitbringt, um Innovationen zu entwickeln, Unternehmen zu gründen und bestehende Betriebe erfolgreich weiterzuführen.

Die PISA-Ergebnisse werfen auch wirtschaftliche Fragen auf

Die Diskussion über die PISA-Studie konzentriert sich häufig auf Mathematik-, Lese- und Naturwissenschaftskompetenzen. Diese Fähigkeiten sind zweifellos wichtig. Sie bilden die Grundlage für Ausbildung, Studium und viele Berufe. Gleichzeitig stellt sich für Wirtschaft und Gründungsgeschehen eine weiterführende Frage: Welche Kompetenzen brauchen die Fachkräfte, Innovatoren und Unternehmer von morgen?

Denn erfolgreiche Unternehmen entstehen nicht allein aus Fachwissen. Wer gründet, muss Chancen erkennen, Probleme lösen, Entscheidungen treffen und mit Unsicherheiten umgehen können. Innovationskraft entsteht dort, wo Wissen auf Kreativität, Eigeninitiative und Gestaltungswillen trifft.

Gerade für Mecklenburg-Vorpommern ist diese Frage von Bedeutung. Das Land setzt auf Zukunftsbranchen wie Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik, Digitalisierung und erneuerbare Energien. Gleichzeitig suchen viele Unternehmen bereits heute händeringend nach qualifizierten Fachkräften. Die Leistungsentwicklung junger Menschen ist deshalb nicht nur eine bildungspolitische Kennzahl, sondern auch ein Indikator für die wirtschaftlichen Potenziale von morgen.

Die Herausforderung besteht dabei nicht allein darin, bessere Testergebnisse zu erzielen. Entscheidend ist auch, wie es gelingt, Wissen in Innovation zu übersetzen und aus Talenten Menschen zu machen, die Verantwortung übernehmen, neue Ideen entwickeln und wirtschaftliche Impulse setzen.

Zukunftsbranchen brauchen Talente

Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang in den Zukunftsbranchen. Ob Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik, Life Sciences, Softwareentwicklung, Künstliche Intelligenz oder erneuerbare Energien: Innovationen entstehen dort, wo gut ausgebildete Fachkräfte auf unternehmerisches Denken treffen.

Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren der deutschen PISA-Auswertung untersucht die Studie, inwieweit Jugendliche auf die Anforderungen einer modernen Wissensgesellschaft vorbereitet sind. Genau diese Fähigkeiten werden auch in den Branchen benötigt, die als Wachstumsmotoren der Zukunft gelten.

Für Mecklenburg-Vorpommern ist das besonders relevant. Das Land investiert seit Jahren in innovationsorientierte Wirtschaftsfelder und setzt auf wissensbasierte Wertschöpfung. Gleichzeitig verschärfen demografischer Wandel und Fachkräftemangel den Wettbewerb um qualifizierte Talente.

Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie viele Unternehmen künftig gegründet werden. Entscheidend wird auch sein, ob ausreichend Menschen mit den notwendigen Kompetenzen vorhanden sind, um diese Unternehmen aufzubauen, weiterzuentwickeln und erfolgreich wachsen zu lassen.

Bildung und Unternehmergeist gehören zusammen

In Diskussionen über die Zukunft von Bildung und Wirtschaft wird häufig ein Gegensatz aufgebaut. Die einen fordern bessere schulische Leistungen, die anderen mehr Kreativität, Praxisbezug und Unternehmergeist.

Mecklenburg-Vorpommern benötigt beides.

Solide Kompetenzen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften bleiben die Grundlage für Innovation, Forschung und technische Entwicklung. Gleichzeitig gewinnen Fähigkeiten wie Problemlösungskompetenz, Anpassungsfähigkeit, Eigeninitiative und kreatives Denken an Bedeutung. Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und technologische Umbrüche stellen Unternehmen vor neue Herausforderungen und eröffnen gleichzeitig neue Chancen.

Die Zukunftsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts entscheidet sich deshalb nicht allein an Bildungsabschlüssen oder Testwerten. Sie zeigt sich auch darin, wie gut es gelingt, Wissen in Innovation und Ideen in wirtschaftliche Wertschöpfung zu verwandeln.

Die eigentliche Zukunftsfrage für Mecklenburg-Vorpommern

Die aktuelle PISA-Studie ist deshalb weit mehr als ein Bildungsbericht. Sie wirft auch die Frage auf, welche Voraussetzungen die nächste Generation mitbringt, um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes mitzugestalten.

Für Mecklenburg-Vorpommern wird sich langfristig nicht allein an PISA-Punktzahlen entscheiden, wie erfolgreich der Standort ist. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, junge Menschen zu Fachkräften, Innovatoren und Unternehmerinnen zu entwickeln.

Denn die Unternehmen von morgen werden nicht erst morgen gegründet.

Ihre Gründerinnen und Gründer sitzen heute in den Klassenzimmern des Landes.

Quellen und weiterführende Informationen

Die im Beitrag genannten Daten basieren auf den Ergebnissen von PISA 2025 Ergebnisse (Band I – Auszugsweise Übersetzung) der OECD, den Veröffentlichungen des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) sowie der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK).

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