Welche Versicherungen braucht mein Unternehmen wirklich?

Eine Unternehmensgründung bringt immer auch eine Reihe von Unwägbarkeiten und Risiken mit sich. Nicht gegen alles kann man sich versichern. 

Zuletzt aktualisiert: 13.05.2026

Aber  es gibt verschiedene Möglichkeiten, existenzbedrohende Risiken abzudecken oder zumindest abzumildern.

Die richtigen Versicherungen

Wie entscheidest du aber nun, welche Versicherung wirklich nötig ist?
Der erforderliche Versicherungsschutz richtet sich natürlich immer nach dem konkreten Tätigkeitsfeld deines Unternehmens, der jeweiligen Produktpalette, den angebotenen Dienstleistungen usw.
Unabhängig davon gibt es allerdings einen Basis-Versicherungsschutz, der für (fast) alle Unternehmen zum Standard gehören sollte.

Grundlegendes

Wichtig sind für dich als Gründer:in und Jungunternehmer:in vor allem Versicherungen gegen Ereignisse, die so hohe finanzielle Folgen haben können, dass du diese aus eigenen Mitteln nicht decken kannst.
Wenn du z. B. durch Krankheit oder Unfall lange oder gar nicht mehr nicht mehr arbeiten kannst oder wenn durch ein Feuer oder Überschwemmungen, Einbrüche, defekte Maschinen oder Haftungsansprüche anderer dem Unternehmen finanzielle Ausfälle entstehen, ist es wichtig, die richtigen Versicherungen abgeschlossen zu haben.

Der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) empfiehlt als Standard-Versicherungsschutz für das Unternehmen:

  • Betriebshaftpflichtversicherung
    Grund: Die Betriebshaftpflicht ist gewissermaßen die „Grundversicherung“ eines Unternehmens. Sie schützt vor Schadensersatzansprüchen Dritter, wenn durch die betriebliche Tätigkeit Personen-, Sach- oder Vermögensschäden entstehen. Auch schon kleinere Vorfälle können hohe Kosten verursachen.
    Außerdem: Die Versicherung übernimmt dabei in der Regel nicht nur Kosten für berechtigte Schäden, sondern prüft auch (eventuell) unberechtigte Ansprüche („passiver Rechtsschutz“).
    Hinweis: Für IT-, Software- oder KI-Unternehmen reicht eine klassische Betriebshaftpflicht oft nicht aus, da neben rein "sachlichen" auch "immaterielle" Schäden entstehen können. Hier werden zunehmend benötigt: Vermögensschadenhaftpflicht, IT-Haftpflicht, Cyber-Haftpflicht.
  • Betriebsunterbrechungsversicherung
    Grund: Eine Betriebsunterbrechung (bei Schäden durch Feuer, Einbruchdiebstahl/Raub, Leitungswasser, Sturm und Elementarschäden, bei Maschinen- oder EDV-Ausfall oder dem Ausfall der Telefonanlage aufgrund eines Blitzschlags bzw. Überspannungsschadens) hat schnell bedrohliche Ertragsausfälle zur Folge.
    Nicht der Sachschaden selbst ist oft das größte Problem, sondern der Umsatzausfall danach.
  • Cyberversicherung/IT-Haftpflicht
    Cyberrisiken gehören inzwischen zu den größten Unternehmensrisiken. Vor allem für digitale Unternehmen ist sie überlebenswichtig (Siehe dazu: Warum du über eine Cyberversicherung nachdenken solltest).
  • Elektronikversicherung
    Grund: Eigentlich jedes Unternehmen arbeitet mit IT-Komponenten. Wenn diese ausfallen wird deutlich, wie unersetzlich sie geworden sind.
  • Gebäude- und Inhaltsversicherung
    Grund: Gebäude und Ausstattung stellen meist einen Großteil des Unternehmensvermögens dar.
  • Kfz-Versicherung
    Grund: Ohne eine Kfz-Haftpflichtversicherung wird kein Firmenwagen zugelassen. Sie ist Pflicht. Außerdem sicherst du dich dadurch natürlich für Schäden ab, die durch deine Fahrzeuge entstehen.
    Bei Vielfahrern solltest du auch über Vollkasko und eine Fahrerschutzversicherung nachdenken.,
  • Produkthaftpflichtversicherung
    Sie ist natürlich besonders wichtig bei physischen Produkten. Denn wenn dein Produkt Menschen verletzt, Maschinen beschädigt oder Produktionsausfälle verursacht, kann die Haftung enorm teuer werden.
  • Umwelthaftpflichtversicherung
    Grund: Viele Unternehmen verfügen über Öl- oder Gastank, Heizungsanlagen usw. Sie bergen immer ein hohes Umweltverschmutzungsrisiko. Und schon kleine Umweltvorfälle können extrem teuer werden.
  • Nachdenken solltest du auch über eine Rechtsschutzversicherung. Schließlich bewegst du dich ständig in rechtlich sensiblen Bereichen (Verträge, Kundenbeziehungen, Datenschutz, Arbeitsschutz,... )
    Die Rechtsschutzversicherung schützt weniger vor den Folgen des eigentlichen Schadens, aber dafür vor den Kosten bei der juristischen Durchsetzung von eigenen Forderungen oder der Ablehnung von (ungerechtfertigten) Forderungen anderer. Selbst deine anderen Versicherer können sich quer stellen und deine Ansprüche ablehnen.

Persönliche Absicherung

Persönlich könnest bzw. solltest du dich als Gründer:in wie folgt absichern:

  • Arbeitslosenversicherung
    So erhältst du dir den Anspruch auf finanzielle Unterstützung (Arbeitslosengeld), sollte das Gründungsvorhaben scheitern.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
    Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist oft wichtiger als eine Unfallversicherung, denn die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit entstehen aufgrund von (langfristigen) Krankheiten und nicht durch Unfälle.
  • Krankenversicherung
    Selbständige sind - wie alle Bürgerinnen und Bürger - verpflichtet, sich entweder über eine gesetzliche oder eine private Krankenversicherung abzusichern.
    Während Arbeitnehmer:innen im Krankheitsfall eine Entgeltfortzahlung erhalten, verdienen Selbständige in der Regel in dieser Zeit kein Geld. Dies solltest du für die Absicherung im Krankheitsfall berücksichtigt.
    Ob eine gesetzliche oder eine private Krankenversicherung solltest du gründlich überlegen und die Angebote gut vergleichen. So hast du z. B. bei einer PKW oft bessere Leistungen oder niedrigere Beiträge. Allerdings bleibt die Beitragshöhe immer gleich, egal wie hoch dein Einkommen momentan ist, während sich die GKV entsprechend anpasst.
  • Unfallversicherung
    Eine Ergänzung zu allen anderen Versicherungen ist die gesetzliche und/oder private Unfallversicherung. Beide zahlen, wenn z. B. durch einen Unfall eine Invalidität eingetreten ist.

Tipp

Natürlich sind nicht alle der empfohlenen Versicherung für dich sinnvoll und notwendig. Und natürlich hast du in der Regel auch nicht das Geld, um alles abzusichern.
Deshalb setzte dich vorher intensiv damit auseinander, welcher Schadensfall eintreten könnte und was dann wirklich an Kosten und weiteren Problemen auf dich und dein Unternehmen zukommen kann.

In der Broschüre „GründerZeiten 05 – Versicherungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) werden ausführlich verschiedene Möglichkeiten des Versicherungsschutzes erläutert. Eine Tabelle hilft dabei, die speziellen Risiken für das eigene Unternehmen einzuschätzen.

Unterstützung findest du auch bei deiner zuständigen Handwerkskammer (HWK), Industrie- und Handelskammer (IHK) oder den Berufsverbänden für freie Berufe.
Die dürfen dir zwar keine individuelle Versicherungsberatung oder konkrete Produktempfehlungen geben, können dich aber darüber informieren:
- welche Versicherungen für Ihr Unternehmen in der Regel erforderlich oder ratsam sind
- welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten
- welche Behörden zuständig sind
- welche Mindestanforderungen bestehen
- welche Nachweise möglicherweise erforderlich sind.