Eine Tischlerei‑Nachfolge gelingt dann besonders gut, wenn Erfahrung, Vertrauen und frühzeitige Planung zusammenkommen. Genau das zeigt die Übergabe der Tischlerei Hatunschek aus Grimmen: Nach fast 80 Jahren Handwerksgeschichte führt seit dem 1. Juli 2025 Tischlermeister Nico Scholz den Betrieb weiter – mit Respekt vor dem Erbe und klaren Ideen für die Zukunft.
80 Jahre Handwerk und eine rechtzeitig geplante Nachfolge in der Tischlerei
Gegründet wurde die Tischlerei Hatunschek im Jahr 1947 von Tischlermeister Franz Hatunschek. Über Generationen hinweg stand der Betrieb für Qualität, Verlässlichkeit und individuelles Tischlerhandwerk. Zuletzt führte Thomas Scherlach, Enkel des Gründers, die Möbelmanufaktur mit großem Engagement.
Statt den Staffelstab erst kurz vor dem Ruhestand zu übergeben, begann Scherlach frühzeitig mit der Planung der Betriebsnachfolge im Handwerk. Bereits fünf Jahre vor der Übergabe setzte er sich aktiv mit dem Thema auseinander. Unterstützung fand er dabei unter anderem bei der Handwerkskammer Ostmecklenburg‑Vorpommern und der Nachfolgezentrale MV.
Von der Suche zur passenden Tischlerei-Nachfolge
Eine der größten Herausforderungen bestand darin, einen geeigneten Nachfolger im Handwerk zu finden, der fachlich überzeugt und zugleich bereit ist, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Denn eine Handwerksnachfolge erfordert heute nicht nur handwerkliches Können, sondern auch Mut zur Selbstständigkeit.
Im Matching‑Prozess lernte Thomas Scherlach Tischlermeister Nico Scholz kennen. Schnell zeigte sich: Die Chemie stimmte. Um den Betrieb wirklich kennenzulernen, absolvierte Scholz ein Praktikum in der Tischlerei. Darüber hinaus begleitete ihn das Unternehmen während seiner Meisterausbildung. Über mehrere Jahre wuchs daraus ein vertrauensvolles Miteinander – eine stabile Grundlage für die spätere Übergabe.
Tischlerei‑Nachfolge als Einstieg in die Selbstständigkeit
Für Nico Scholz stand früh fest, dass er den einen Betrieb in eigener Verantwortung führen möchte. Eigenverantwortung, Entscheidungsfreiheit und Gestaltungsspielraum motivierten ihn. Gleichzeitig wusste er, dass Unternehmertum Einsatz verlangt – und war bereit, diesen zu leisten.
Die Übernahme eines bestehenden Betriebs bot ihm klare Vorteile. Eine Nachfolge in der Tischlerei bedeutete für ihn: laufende Aufträge, ein eingespieltes Team und einen bestehenden Kundenstamm. Gerade im Handwerk zeigt sich, wie wertvoll diese Ausgangsbasis ist.
Finanzierung als zentrale Herausforderung der Handwerksnachfolge
Als größte Hürde im gesamten Prozess der Tischlerei‑Nachfolge erwies sich die Finanzierung der Übernahme. Nico Scholz setzte hier auf gründliche Planung und einen engen Austausch mit seiner Hausbank. Gemeinsam prüften sie verschiedene Modelle und entwickelten schließlich eine tragfähige Lösung.
Der zeitliche Vorlauf zahlte sich aus: Von der Registrierung bei der Nachfolgezentrale MV im November 2022 über Praktikum, Meisterabschluss und Betriebsübernahme verlief der gesamte Prozess strukturiert und realistisch planbar.
Warum eine Tischlerei‑Nachfolge Chancen bietet
Für den neuen Inhaber liegen die Vorteile klar auf der Hand. Die Tischlerei startete mit guter Auftragslage, erfahrenen Fachkräften und moderner CNC‑Technik. Möbel plant das Team heute digital und in 3D, visualisiert sie fotorealistisch und setzt sie präzise um.
Auch auf Kundenseite verlief der Übergang reibungslos. Viele kannten Nico Scholz bereits aus der Zusammenarbeit. Vertrauen war vorhanden – ein großer Pluspunkt gegenüber einer Neugründung und ein typischer Vorteil der Betriebsnachfolge im Handwerk.
Blick nach vorn: Qualität sichern und den Betrieb weiterentwickeln
Für Nico Scholz steht die handwerkliche Qualität an erster Stelle. Gleichzeitig möchte er den Betrieb gezielt weiterentwickeln und neue Geschäftsfelder erschließen. Geplant sind unter anderem Projekte im Möbelinnenausbau, etwa der individuelle Ausbau von Wohnmobilen oder der Bau von Tiny Häusern.
Wenn es die Auftragslage zulässt, denkt er auch über eine Erweiterung des Teams nach. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten blickt der junge Unternehmer optimistisch in die Zukunft.
„Trauen Sie sich!“ – ein klarer Rat an zukünftige Nachfolger:innen
Rückblickend empfiehlt Nico Scholz allen, die eine Nachfolge im Handwerk anstreben, frühzeitig Gespräche zu suchen, Mut zur Finanzierung aufzubringen und an die eigene Idee zu glauben.
Besonders positiv hebt er die langfristige Begleitung durch die Nachfolgezentrale MV hervor, die ihm über mehrere Jahre hinweg Orientierung und Sicherheit gegeben hat.
Tipps für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge
Das Beispiel der Tischlerei Hatunschek zeigt, worauf es bei einer erfolgreichen Nachfolge im Handwerk ankommt. Diese Punkte sind besonders wichtig:
1. Frühzeitig mit der Planung beginnen
Eine Tischlerei‑Nachfolge braucht Zeit. Expert:innen empfehlen einen Vorlauf von mindestens drei bis fünf Jahren, um Wissen, Kundenbeziehungen und Verantwortung Schritt für Schritt zu übergeben. Gerade im Handwerk ist der persönliche Know‑how‑Transfer entscheidend für den langfristigen Erfolg.
2. Mitarbeitende aktiv einbeziehen
Das Team spielt bei einer Nachfolge eine zentrale Rolle. Mitarbeitende sichern Kontinuität, stabilisieren den Betrieb im Übergang und tragen häufig maßgeblich dazu bei, dass Kund:innen der neuen Führung Vertrauen schenken. Frühzeitige Kommunikation schafft Sicherheit auf allen Seiten.
3. Professionelle Begleitung nutzen
Nachfolge ist ein komplexer Prozess mit rechtlichen, finanziellen und menschlichen Aspekten. Beratungsangebote und Nachfolgebörsen wie die Nachfolgezentrale MV unterstützen bei der Suche nach passenden Nachfolger:innen, beim Matching und bei der strukturierten Prozessbegleitung.
4. Den Betrieb realistisch kennenlernen
Ob als Übergeber:in oder Nachfolger:in: Ein realistischer Blick hinter die Kulissen ist unerlässlich. Dazu gehören Einblicke ins Tagesgeschäft, das Prüfen von Zahlen sowie das Verständnis interner Abläufe. Praktika oder eine Übergangsphase im Betrieb helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.
5. Eigene Vision mit Augenmaß umsetzen
Neue Ideen sind wichtig – sollten aber behutsam eingeführt werden. Erfolgreiche Nachfolger:innen beobachten zunächst, verstehen den Betrieb und entwickeln ihn dann Schritt für Schritt weiter. So lassen sich Innovation und gewachsene Strukturen sinnvoll verbinden.
6. Werte und Identität des Betriebs respektieren
Im Handwerk zählen oft regionale Verwurzelung, persönliche Kundenbeziehungen und Vertrauen mehr als große Marketingmaßnahmen. Wer diese Werte versteht und fortführt, erhöht die Akzeptanz bei Kund:innen, Mitarbeitenden und Partnern deutlich.
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Titelbild: Thomas Scherlach (l) mit Nachfolger Nico Scholz
©Tischlerei Hatunschek, frgst. u. bearb. v. VTM

