Du hast dein Produkt oder deine Dienstleistung „marktreif“ gemacht.
Jetzt stehst du vor der Frage: Welchen Preis kann bzw. muss ich dafür verlangen?
Ein zu niedriger Preis schmälert den Gewinn oder wirkt unseriös, ein zu hoher Preis kann potenzielle Kund:innen abschrecken. Der „richtige“ Preis liegt daher immer in einem Spannungsfeld aus Kosten, Markt und wahrgenommenem Wert.
Wichtig: Der richtige Preis beginnt nicht beim Markt – sondern zunächst einmal bei dir selbst.
1. Die eigenen Kosten kennen
Die Grundlage jeder Preiskalkulation sind deine Kosten. Ohne ein klares Verständnis deiner Ausgaben ist eine nachhaltige Preisgestaltung nicht möglich.
- Dein Lebensunterhalt als Ausgangspunkt
Bevor du dich mit Konkurrenz oder Marktpreisen beschäftigst, musst du eine grundlegende Frage klären: Wie viel Geld brauchst du, um gut leben zu können?
Viele Selbstständige machen den Fehler, ihren eigenen Bedarf nicht sauber einzuplanen. Stattdessen hoffen sie, dass „am Ende etwas übrig bleibt“.
Stelle lieber genau fest, welche Kosten regelmäßig anfallen:
- Kosten für die Familie (z. B. Kinderbetreuung o. ä.)
- Miete oder Kredit
- Lebensmittel
- Private Versicherungen
- Altersvorsorge
- Rücklagen und Freizeit
Die Summe dieser Ausgaben wird in der Regel als Unternehmerlohn bezeichnet – und ist immer Bestandteil deiner Kosten.
Wichtig dabei: Führst du ein Einzelunternehmen oder eine GbR kannst du diesen Unternehmerlohn nur aus deinem Gewinn bezahlen - egal, wie hoch der ausfällt. Und nicht vergessen: Der Gewinn wird auch noch versteuert! - Fixkosten
Das sind regelmäßig anfallende Kosten, unabhängig von deiner Auslastung:
- Miete für Büro oder Werkstatt
- Leasingkosten
- Kredite
- Versicherungen
- Software-Abos
- Gehälter… - Variable Kosten
Diese entstehen direkt bei der Erstellung deines Produkts oder deiner Dienstleistung:
- Materialkosten
- Energieverbrauch
- Versand/Fahrzeugkosten
- Fremdleistungen - Arbeitszeit
Gerade bei Dienstleistungen wird dieser Punkt oft unterschätzt. Deine Arbeitszeit ist ein zentraler Kostenfaktor und sollte realistisch bewertet werden.
Dazu gehört nicht nur die direkte Leistung, sondern auch:
- Kommunikation mit Kund:innen
- Angebotserstellung
- Buchhaltung
Tipp: Kalkuliere mit einem realistischen Stundensatz, der nicht nur deine Kosten deckt, sondern auch Gewinn ermöglicht.
2. Den gewünschten bzw. erforderlichen Gewinn einplanen
Ein häufiger Fehler ist, Preise nur kostendeckend zu kalkulieren. Doch ein Unternehmen muss Gewinne erzielen, um langfristig zu bestehen, Rücklagen zu bilden und zu wachsen.
Eine einfache Formel lautet: Preis = Kosten + Gewinnaufschlag
Der Gewinnaufschlag kann je nach Branche stark variieren. Wichtig ist, dass du ihn bewusst festlegst – und nicht dem Zufall überlässt.
Überlege deshalb:
- Welche Investitionen planst du in Zukunft?
- Wie viel Sicherheit möchtest du haben?
- Wie hoch soll bzw. muss deine Gewinnmarge sein?
3. Den Markt analysieren
Dein Preis existiert natürlich nicht im luftleeren Raum. Kund:innen vergleichen Angebote – bewusst oder unbewusst. Deshalb:
- Wettbewerbsanalyse
- Welche Preise verlangen deine Mitbewerber:innen?
- Welche Leistungen sind enthalten?
- Wie positionieren sie sich (Premium, Mittelklasse, günstig)?
Dabei geht es nicht darum, einfach den gleichen Preis zu nehmen. Vielmehr solltest du verstehen:
- Wo liegst du im Vergleich?
- Welche Lücke kannst du besetzen? - Zielgruppe berücksichtigen
Nicht jede Kundin und jeder Kunde hat die gleichen Erwartungen oder Zahlungsbereitschaften. Ein Preis, der für eine Zielgruppe attraktiv ist, kann für eine andere zu hoch oder zu niedrig sein.
Frage dich:
- Wer ist mein idealer Kunde/meine ideale Kundin?
- Wie preissensibel ist diese Zielgruppe?
- Welchen Nutzen hat mein Angebot für sie?
4. Den wahrgenommenen Wert verstehen
Der Preis wird nicht nur durch Kosten bestimmt, sondern vor allem durch den wahrgenommenen Nutzen.
Ein Beispiel:
Zwei Unternehmen bieten die gleiche Leistung an.
Eines präsentiert sich professioneller, hat bessere Referenzen und kommuniziert klar den Mehrwert.
Dieser Anbieter kann oft einen deutlich höheren Preis verlangen.
- Faktoren, die den Wert steigern:
- Qualität und Ergebnisse
- Markenimage
- Vertrauen und Referenzen
- Spezialisierung
Merksatz: Kund:innen kaufen nicht nur ein Produkt – sie kaufen eine Lösung für ihr Problem. Und sie bezahlen auch für das Gefühl, das sie damit verbinden.
5. Die richtige Preisstrategie wählen
Es gibt verschiedene Ansätze zur Preisgestaltung. Welche sinnvoll ist, hängt von deinem Angebot und deiner Positionierung ab.
- Kostenbasierte Preisgestaltung
Du berechnest deine Kosten und schlägst eine Marge drauf.
- Einfach und nachvollziehbar
- Berücksichtigt aber den Markt oft zu wenig - Wettbewerbsorientierte Preisgestaltung
Du orientierst dich an den Preisen der Konkurrenz.
- Gute Marktanpassung
- Aber: Gefahr der Austauschbarkeit - Wertbasierte Preisgestaltung
Du richtest den Preis nach dem Nutzen für den Kund:innen aus.
- Höhere Gewinnpotenziale
- Erfordert allerdings gutes Verständnis der Zielgruppe - „Psychologische“ Preisgestaltung nutzen
Preise wirken auch auf emotionaler Ebene.
Einige bewährte Prinzipien:
- Schwellenpreise: 9,99 € wirkt günstiger als 10 €
- Ankerpreise: Ein teureres Angebot lässt andere günstiger erscheinen
- Pakete: Mehrere Leistungen bündeln erhöht den wahrgenommenen Wert
Wichtig ist, diese Effekte bewusst und sinnvoll einzusetzen – nicht manipulativ.
In der Praxis ist meist eine Kombination dieser Ansätze am sinnvollsten.
6. Mehrwertsteuer beachten
Und vergiss nicht: Wenn du nicht gerade die Kleinunternehmerregelung nutzt bzw. nutzen kannst, kommt auf alle deine kalkulierten Preise noch die Mehrwertsteuer.
Die bekommst du zwar vom Finanzamt wieder, aber für deine Kund:innen ist das Produkt bzw. die Dienstleistung teurer als deine netto-kalkulierten Kosten! Hast du z. B. 10 € als Kostenpunkt für dein Produkt ermittelt, musst du dieses Produkt für mindestens 11,90 € anbieten, um deine Kosten wirklich abzudecken.
7. Preise testen und anpassen
Der erste festgelegte Preis ist selten perfekt. Preisgestaltung ist ein dynamischer Prozess.
Deshalb beobachte:
- Wie reagieren Kund:innen auf deine Preise?
- Wie hoch ist deine Abschlussquote?
- Gibt es häufige Einwände, weil der Preis als zu hoch empfunden wird?
- Gibt es andererseits aber auch Äußerungen, wie: "Das ist aber billig!" Oder: "Woanders ist so was doppelt so teuer!"?
Trau dich, deine Preis anzupassen:
Viele Selbstständige haben Angst, ihre Preise zu erhöhen. Doch in vielen Fällen ist genau das notwendig und möglich – besonders, wenn:
- die Nachfrage steigt
- deine Erfahrung wächst
- dein Angebot besser wird
- noch "Luft nach oben" ist, weil deine Konkurrenz dann trotzdem nicht mit deinen Preisen mithalten kann
und last but not least:
- weil deine Kosten gestiegen sind.
8. Häufige Fehler vermeiden
Zum Abschluss ein paar typische Stolperfallen:
- Zu niedrige Preise aus Unsicherheit
Das kann langfristig schaden! - Keine klare Kalkulation
Bauchgefühl ersetzt keine Zahlen! - Vergleich mit falschen Wettbewerbern
Achte auf ähnliche Zielgruppen und Leistungen!
Bedenke auch deine Umgebung und bestimmte Gegebenheiten - Zeit nicht richtig eingerechnet
Besonders bei Dienstleistungen kritisch - Den Unternehmerlohn nicht beachtet oder zu niedrig angesetzt
Längerfristig kann man nicht von seinem "Ersparten" leben.
Fazit
Der richtige Preis entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis einer durchdachten Kalkulation und strategischen Positionierung. Er basiert auf deinen Kosten, deinem gewünschten Gewinn, der Marktsituation und dem wahrgenommenen Wert deines Angebots.
Wichtig ist: Es gibt nicht den einen „perfekten“ Preis. Stattdessen geht es darum, einen Preis zu finden, der für dich wirtschaftlich sinnvoll ist und gleichzeitig von deiner Zielgruppe akzeptiert wird.
Wenn du strukturiert vorgehst, regelmäßig überprüfst und den Mut hast, deine Preise anzupassen, schaffst du eine stabile Grundlage für nachhaltigen Erfolg!

