Der MINT-Frühjahrsreport 2026 enthält alle aktuellen Entwicklungen und Analysen zu Angebot und Nachfrage auf dem MINT-Arbeitsmarkt sowie Kennzahlen zur MINT-Bildung.
Den MINT-Report erstellt das Institut der Deutschen Wirtschaft (iw) halbjährlich im Auftrag von BDA, Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen".
Die wichtigsten Ergebnisse aus dem MINT-Frühjahrsreport in Kürze
- Der MINT-Fachkräftemangel bleibt auf hohem Niveau
Rund 134.000 MINT-Stellen sind bundesweit unbesetzt.
Besonders betroffen sind Ingenieurberufe (Energie/Elektro, Maschinenbau), IT, Bau- und Metallberufe. - Die Demografie verschärft den Engpass
Jährlich scheiden ca. 65.000 MINT-Akademiker altersbedingt aus.
In fünf Jahren steigt der Ersatzbedarf auf über 70.000 Akademiker und rund 295.000 Facharbeiter pro Jahr. - Der Nachwuchs reicht nicht aus
Bei MINT-Studienanfänger ist ein Rückgang von 198.000 (2016) auf unter 180.000 (2023) zu verzeichnen. Deutsche Studienanfänger sind besonders stark betroffen (- 23 %).
Verschiedene Studien belegen: Die MINT-Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sinken. - Es gibt positive Entwicklungen, aber keine Trendwende
Seit 2012 gibt es mehr Frauen (+ 35,7 %), mehr Ältere (Anteil von 15 % auf 23 % gestiegen) und mehr internationale Fachkräfte (+ 90 %) in MINT-Berufen.
Diese Effekte reichen aber nicht aus, um den strukturellen Mangel auszugleichen.
„Auch in den aktuell wirtschaftlich schwierigen Phasen bleibt die Gesamtbeschäftigung in MINT-Berufen konstant“, sagt Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter des Themenclusters Bildung, Innovation und Migration am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Umso bedrohlicher ist, dass in unserem Basisszenario demografiebedingt im Jahr 2034 rund 138.600 MINT-Beschäftigte weniger am Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Während die MINT-Beschäftigung von 2014 bis 2024 noch um 12,4 Prozent gestiegen ist, dürfte im darauffolgenden Jahrzehnt wegen des Fachkräftemangels die Beschäftigung um 1,8 Prozent abnehmen.“
Der neue Report des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nennt für März 2026 eine MINT-Fachkräftelücke von rund 133.900 Personen. Das sind etwa 15,7 % weniger als im Vorjahr.
Wichtig ist aber:
Die sinkende Zahl bedeutet nicht automatisch, dass der Fachkräftemangel „gelöst“ wird. Der Report selbst betont, dass die schwache Konjunktur und geringere Nachfrage nach offenen Stellen eine große Rolle spielen. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den langfristigen Druck weiter.
Download MINT-Frühjahrsreport 2026
Quellen und mehr: BDA, Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Koeln)
Kann der Einsatz von KI den MINT-Fachkräftemangel ausgleichen?
Viele Unternehmen nutzen KI inzwischen zur Automatisierung von Routinetätigkeiten, für Softwareentwicklung, Datenanalyse, Dokumentation oder Support.
Der wichtigste Effekt beim Einsatz von KI ist: Künstliche Intelligenz erhöht die Produktivität vorhandener Fachkräfte und verschiebt die Nachfrage hin zu neuen Kompetenzprofilen.
Das wird aber nur reichen, um den Fachkräftemangel zu mildern, denn:
1. Viele MINT-Aufgaben sind schwer automatisierbar
KI kann unterstützen, aber komplexe technische Verantwortung bleibt menschlich:
- Sicherheitskritische Entwicklung
- Systemarchitektur
- Forschung
- Qualitätsprüfung
- Maschinenbau in realen Umgebungen
- Infrastruktur- und Energietechnik
Gerade in Bereichen wie Energie, Bau oder Industrie fehlen weiterhin Menschen mit praktischer Erfahrung.
2. KI schafft neue Nachfrage
Je mehr Unternehmen KI einsetzen, desto mehr benötigen sie:
- KI-Ingenieure
- Datenexperten
- Cybersecurity-Spezialisten
- Cloud-Architekten
- KI-Trainer und Governance-Experten
Dadurch entsteht teilweise ein neuer Fachkräftemangel innerhalb der MINT-Berufe selbst. Studien zeigen bereits einen starken Wertzuwachs von KI-Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt.
3. Einführung von KI braucht selbst Fachkräfte
Viele Unternehmen scheitern derzeit nicht an der Technik, sondern an:
- fehlenden Kompetenzen,
- schlechter Integration,
- fehlenden Prozessen.
Kurz gesagt: Man braucht zunächst qualifizierte MINT-Fachkräfte, um KI überhaupt sinnvoll einzusetzen.
Fazit
Am wahrscheinlichsten ist ein Szenario, in dem:
- der absolute Fachkräftemangel sinkt
- aber hochqualifizierte Spezialisten noch knapper werden,
- während Routine-Wissensarbeit weniger Personal benötigt.
Das heißt: Deutschland wird vermutlich weiterhin zu wenige MINT-Fachkräfte haben — allerdings verändert sich, welche Qualifikationen fehlen.
Denn KI kann Produktivität steigern, aber sie ersetzt nicht ohne Weiteres:
- erfahrene Meister,
- Instandhalter,
- Elektrofachkräfte,
- Produktionsingenieure,
- Spezialisten mit jahrzehntelangem Erfahrungswissen.
Vor allem praktische Industrie- und Energietechnik bleibt schwer automatisierbar.
Neue Chancen für Gründer:innen und junge Unternehmen
Gerade der KI-bedingte Wandel des MINT-Arbeitsmarkts könnte zu einer neuen Gründer:innenwelle führen. Er eröffnet für Gründer:innen und junge Unternehmen erhebliche Chancen - gerade in Deutschland. Denn wenn Fachkräfte knapp bleiben, steigt der wirtschaftliche Wert von Technologien, die die Produktivität erhöhen, Wissen skalieren oder Personalmangel kompensieren.
Dabei entstehen Chancen auf mehreren Ebenen:
1. „Mehr Wirkung mit kleinen Teams“
Das wahrscheinlich größte Startup-Potenzial liegt darin, dass KI die notwendige Teamgröße reduziert.
Wo man vor einigen Jahren noch große Entwicklerteams oder umfangreiche IT-Abteilungen brauchte, können jetzt kleine Teams durch den Einsatz von KI die gleichen Ergebnisse erreichen. Das senkt natürlich die Gründungskosten, verkürzt die Zeiten für die Marktreife von Produkten und senkt den Kapitalbedarf für Neu- oder Weiterentwicklungen.
Dadurch können mehr technische Nischen wirtschaftlich interessant werden, die man vorher mit einem kleinen Team nicht besetzen konnte.
2. Lösungen für den Fachkräftemangel selbst
Besonders große Chancen entstehen dort, wo KI den MINT-Engpass direkt adressiert. Gerade der deutsche Mittelstand hat einen hohen Bedarf, da besonders hier KI-Spezialisten fehlen.
Das schafft natürlich enorme Marktpotenziale für B2B-Startups.
3. Vertikale KI statt allgemeiner KI
Die größten Chancen liegen oft nicht bei allgemeinen KI-Modellen, sondern bei spezialisierter Branchen-KI. Zum Beispiel für Maschinenbau, Energienetze, Chemieproduktion, Logistik, industrielle Wartung oder für technische Compliance u. v. m.
Deutschland hat hier als Industriestandort hohe Bedarfe an spezialisierter KI.
Das eröffnet Chancen für sogenannte „Vertical AI Companies“.
Für Gründer bedeutet das:
Nicht das nächste allgemeine KI-Modell zu bauen, sondern ein konkretes Branchen- oder Unmternehmensproblem besser zu lösen als alle anderen.
4. Wissensskalierung als Geschäftsmodell
Der demografische Wandel führt dazu, dass viel Erfahrungswissen verloren geht.
Junge Unternehmen können daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln, z. B. digitale Expertenassistenten, KI-gestützte Schulungssysteme, industrielle Wissensdatenbanken, automatisierte Fehlersuche, Lernsysteme für Facharbeiter.
Viele Unternehmen sind bereit, für Lösungen zu zahlen, die den Verlust von Expertenwissen abfedern.
5. Neue Chancen für technische Solo-Gründer:innen
KI verändert auch die Ökonomie von Unternehmertum selbst.
Einzelne Gründer:innen können heute Apps entwickeln, SaaS-Produkte bauen, KI-Agenten erstellen, Beratungsleistungen skalieren, digitale Produkte automatisieren.
Dadurch entsteht eine Art: „Ein-Personen-Softwareunternehmen mit KI-Hebel“.
Das war noch vor wenigen Jahren kaum möglich.
6. Chancen im Bildungs- und Weiterbildungsmarkt
Da sich Kompetenzanforderungen schnell verändern, wächst der Bedarf z. B. an KI-Weiterbildung, technischen Umschulungen, MINT-Nachqualifizierungen, Unternehmensschulungen oder praxisnahen Lernplattformen.
Hier entstehen Chancen für Gründer:innen, die z. B. Corporate-Learning-Plattformen, technische Simulationssysteme, oder auch adaptive Lernsoftware entwickeln.
7. Vom Image „KI aus Deutschland” profitieren
Im internationalen KI-Wettbewerb werden nur wenige deutsche Startups mithalten können.
Aber:
Die Entwicklung und der Einsatz von KI, die nicht vollkommen und einseitig abhängig ist von den „globalen“ Playern und sich auf bestimmte branchen- oder unternehmensbezogene Themen spezialisiert, kann ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil sein. Einfach, weil das Vertrauen schafft und gezielt Kundengruppen anspricht, die z. B. Wert auf Branchenverständnis, europäische Regularien, Sicherheit, Zuverlässigkeit im Support und auch Nachhaltigkeit legen.

