
Rund 100 Gründerinnen und Gründer, Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie Investorinnen und Investoren kamen zusammen, um sich bei „FOUNDERS & INVESTORS“ über Finanzierung, Innovation und unternehmerische Perspektiven auszutauschen.
Die Veranstaltung wurde von MakerPort und Gründungswerft organisiert, die zu Beginn ihre Arbeit und ihre Angebote für die regionale Gründerszene vorstellten.
Grußworte: Mut, Innovation und gemeinsames Vorangehen
Den Auftakt bildeten Grußworte aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft:
Dr. Alexander Badrow, Oberbürgermeister der Hansestadt Stralsund, betonte die Bedeutung von Dock 1 als Innovationsstandort und zog einen anschaulichen Vergleich:
„Gründen ist wie Schiffe bauen.“
Auch eine Stadt sei in gewisser Weise ein „Startup“ – mit ähnlichen Herausforderungen, Entwicklungsprozessen und Zukunftsfragen.
Dr. Ralph Sonntag, Rektor der Hochschule Stralsund, unterstrich, dass Innovation in den Köpfen entsteht – und zwar auch in strukturschwächeren Regionen. Neue Geschäftsideen entstünden heute vor allem an den Schnittstellen verschiedener Branchen. Hochschulen seien dabei nicht nur Anker, sondern Motor regionaler Innovation. Um Stralsund als Startup-Standort weiter zu stärken, brauche es eine positive Grundhaltung sowie die Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock, hob die Stärke der Region hervor, mahnte jedoch zugleich mehr Aufbruchsstimmung und Zusammenhalt an. Ein zentrales Thema sei zudem die Unternehmensnachfolge: Allein 44.000 Unternehmerinnen und Unternehmer in Mecklenburg-Vorpommern seien über 55 Jahre alt.
Finanzierung von Startups: Einblicke aus der Praxis
In mehreren Keynotes berichteten erfolgreiche Unternehmen über ihre Finanzierungsstrategien und Erfahrungen.
COLDPLASMATECH GmbH
Dr. Carsten C. Mahrenholz schilderte den Weg von der ersten Produktentwicklung mit Unterstützung von Business Angels über private Investoren bis hin zu strategischen Partnern für die Anschubfinanzierung. Das Unternehmen entwickelte sich vom Einzelprodukt hin zu einer umfassenden Produktplattform und agiert inzwischen zusätzlich als Dienstleister.
Hypros GmbH
Tobias Gebhardt berichtete von der Ausgründung aus der Hochschule Stralsund und prägte den Satz: „Life is a Pitch.“ Frühphaseninvestoren und Beteiligungsgesellschaften begleiteten den Weg. Entscheidend sei es, stets weiterzudenken:
„Was wird mein Geschäftsmodell in den nächsten fünf bis zehn Jahren zerstören?“ – ein Gedanke, den auch Axel Springer mit ähnlicher Fragestellung formulierte.
Angesichts zunehmenden Preisdrucks sei es wichtig, Plattformmodelle zu entwickeln, die mehr bieten als nur ein einzelnes Produkt.
ZASTA GmbH
Sven Schannak stellte die Entwicklung des Unternehmens vor: 2019 gegründet, 2021 ein vielbeachteter Auftritt bei Die Höhle der Löwen – ohne Deal. 2023 folgte eine zweite Finanzierungsrunde und die Phase der Konsolidierung. Nach dem Start als Webanwendung wurde später eine App entwickelt, um die Steuererklärung weiter zu vereinfachen.
Investorenpanel: Was Kapitalgeber wirklich erwarten
Im anschließenden Investorenpanel diskutierten:
- Annemarie Milke (ESB Invest)
- Johannes Dahl (MBG MV)
- Franz Neumann (Ostwerk)
- Lukas Fiedler (tokenize.it)
- Martin Schwarz (GENIUS Venture Capital)
Ein zentrales Fazit: Fundraising ist wie Verkaufen. Man muss gefunden werden und aktiv einiges dafür tun.
Plattformen wie LinkedIn spielen eine wichtige Rolle, um als Gründerin oder Gründer sichtbar und für Investoren auffindbar zu sein.
Gleichzeitig wurde diskutiert, warum viele Startups die Region verlassen: Netzwerke seien zwar vorhanden, doch Märkte entwickelten sich teilweise langsamer – andernorts sei Gründen oft einfacher.
Ratschläge an Gründerinnen und Gründer:
- Das Geschäftsmodell klar und verständlich darstellen
- Ein starkes, engagiertes Team und strategische Partner vorweisen
- Den gesellschaftlichen Impact deutlich machen
- Verstehen, dass Investoren auch Exit-Perspektiven und Erfolge im Blick haben (müssen)
- Konsistenz in der Geschäftsidee zeigen
Pitching-Competition „Himmel der Möwen“
Ein besonderes Highlight war die Pitching-Competition „Himmel der Möwen“.
Zwölf Startups präsentierten ihre Geschäftsideen in jeweils drei Minuten vor Publikum und Investoren.
Dabei waren:
- XelerateVR – omnidirektionale Laufband für vollständig immersive Erlebnis
- NOX AAL Technologies GmbH – Schlüsselmanagement für smarte Türschlösser
- Artplaner UG – Internationale Künstlerplattform
- h_OURs – Gemeinschaftliches Tauschen von Leistungen und Gütern
- Preling – App zur Selbstreflexion und Prävention von Einsamkeit
- PlantaMeer – Antibiotika aus einheimischen Arzneipflanzen
- Betaport Systems – Zirkuläres und skalierbares Bauen
- Matereal – Transparenz über Schadstoffe in Baumaterialien
- Cranelog-Solution – Asset Lifecycle Management: Smarte Hilfe für Krantechnik
- Fredis – Kindgerechte Dusche für jedes Bad
- Fertig AI – Effiziente Anruforganisation durch KI-Agenten
- Eino World – Wissensplattform für kollektives Know-how
Das Publikum stimmte per Applaus über den Sieger ab. In einem äußerst knappen Votum setzte sich Anke Parson mit Betaport Systems durch.
Die Vielfalt und Innovationskraft der vorgestellten Projekte zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial in Mecklenburg-Vorpommern steckt.
Netzwerken und neue Perspektiven
Beim anschließenden Networking wurden Kontakte geknüpft, Ideen vertieft und neue Kooperationen angebahnt. Für einige Teilnehmende dürfte dieser Abend mehr gewesen sein als eine Veranstaltung – möglicherweise war er der erste Schritt in Richtung einer erfolgreichen Finanzierungsrunde.
FOUNDERS & INVESTORS #3 hat erneut gezeigt: Die Region verfügt über Innovationskraft, Unternehmergeist und Investitionsbereitschaft. Entscheidend ist nun, diese Energie gemeinsam weiterzutragen.

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