Burnout bei Gründern ist oft kein plötzlicher Zusammenbruch, sondern ein schleichender Prozess. Es beginnt in Momenten, die zunächst harmlos wirken: Es ist noch dunkel draußen, als der Laptop aufgeklappt wird.
Die To-do-Liste ist länger als der Tag, die Kaffeetasse längst kalt. Zwischen Kundenterminen, Finanzplanung und Social-Media-Posts jagt ein Gedanke den nächsten – Multitasking als Dauerzustand.
Wer gründet, lebt Geschwindigkeit. Doch was passiert, wenn der eigene Motor heiß läuft und die Bremse fehlt?
„Ich wollte alles gleichzeitig schaffen – und habe dabei vergessen, mich selbst mitzunehmen.“ Dieser Satz beschreibt, was eine Vielzahl an Gründerinnen und Gründer erleben: Burnout bei Gründern ist längst kein Randphänomen mehr, sondern eine reale Gefahr für die Gesundheit und den Erfolg.
Warum Burnout bei Gründern ein Thema ist
Gründerinnen und Gründer starten meist voller Enthusiasmus und Tatkraft – doch genau dieses Engagement kann sie in eine gesundheitliche Krise führen. Stress, Unsicherheit und ständige Verfügbarkeit sind für viele fester Bestandteil des Gründeralltags.
Eine Studie des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) zeigt: 72 Prozent der Gründerinnen und Gründer weltweit berichten von erheblichem Stress – und laut Harvard Business Review haben bereits 25 Prozent ein Burnout erlebt.
Krankenkassenstatistiken: Psychische Erkrankungen steigen
Psychische Erkrankungen gehören inzwischen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsausfälle in Deutschland – und die Zahlen steigen weiter. Laut dem aktuellen KKH-Report wurden im Jahr 2024 durchschnittlich 392 Fehltage je 100 Versicherte aufgrund psychischer Erkrankungen verzeichnet.
Auch die DAK-Gesundheit warnt vor einer alarmierenden Entwicklung: Burnout wird dort bereits als „neue Pandemie bei den Jüngeren“ bezeichnet. Besonders Menschen unter 31 Jahren sind zunehmend betroffen.
Eine weitere Zahl verdeutlicht die Dimension des Problems: Laut Statista zeigen 37 Prozent der Bevölkerung Symptome eines Burnouts. Das macht deutlich, dass Erschöpfung und Überlastung längst kein Randphänomen mehr sind, sondern ein weit verbreitetes gesellschaftliches Problem.
Burnout bei Gründern im Fokus
Gründerinnen und Gründer vereinen oft mehrere Rollen gleichzeitig: Visionär/in, Manager/in, Kommunikator/in. Hinzu kommt das Jonglieren von Terminen, Strategie, Buchhaltung und Führung.
Diese Kombination aus Verantwortung, finanziellen Risiken und langen Arbeitszeiten erhöht das Risiko für Burnout erheblich. Das sind die Faktoren, die Gründer/innen besonders gefährden:
Emotionale Belastung:
Gründerinnen und Gründer tragen eine enorme Verantwortung – für das Unternehmen, für Mitarbeitende und oft auch für die eigene finanzielle Existenz.
Diese Dauerbelastung führt dazu, dass das Risiko für depressive Verstimmungen oder ernsthafte psychische Erkrankungen bei Gründer/innen zwei- bis dreimal höher liegt als in der Allgemeinbevölkerung. Die ständige Unsicherheit, ob sich die Geschäftsidee durchsetzt, verstärkt den Druck zusätzlich.
Langes Arbeiten und fehlende Pausen:
Viele Gründer/innen arbeiten deutlich mehr als die klassische 40-Stunden-Woche. Abende, Wochenenden und sogar Urlaubszeiten werden häufig für das Unternehmen geopfert.
Das Problem: Ohne regelmäßige Erholungsphasen kann sich der Körper nicht regenerieren. Dauerstress führt zu Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und langfristig zu einem erhöhten Risiko für Burnout. Wer Pausen ignoriert, riskiert, dass die eigene Leistungsfähigkeit drastisch sinkt.
Multitasking – Freund oder Feind?
Multitasking wirkt auf den ersten Blick wie die perfekte Lösung für Gründer/innen, die viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen müssen. Doch der Schein trügt: Wer versucht, mehrere komplexe Tätigkeiten parallel zu erledigen, setzt sich erheblichen Risiken aus.
Die Chancen:
Multitasking kann in bestimmten Situationen Vorteile bringen. Es ermöglicht eine hohe Flexibilität und schnelle Reaktionen, etwa wenn kurzfristige Entscheidungen gefragt sind. Auch einfache Aufgaben wie das Beantworten von E-Mails während Wartezeiten lassen sich effizient kombinieren.
Die Risiken:
Die Kehrseite ist gravierend. Multitasking aktiviert das vegetative Nervensystem und steigert die Ausschüttung von Cortisol – dem Stresshormon. Statt echter Parallelbearbeitung entsteht meist ineffizientes „Task-Switching“.
Studien zeigen, dass das Gehirn bis zu 25 Minuten benötigt, um nach einer Unterbrechung wieder vollständig in den Arbeitsfluss zurückzufinden.
Die Folge: sinkende Qualität, steigende Fehlerquote und ein erhöhtes Risiko für Burnout. Häufige Unterbrechungen fragmentieren die Konzentration und machen fokussiertes Arbeiten nahezu unmöglich.
Checkliste: Burnout-Prävention für Gründerinnen und Gründer
- Zeitblöcke einplanen
Plane feste Arbeitsblöcke für einzelne Aufgaben, um ständiges Hin- und Herspringen zu vermeiden. Nutze Methoden wie Time Blocking oder die Pomodoro-Technik (25 Minuten konzentriert arbeiten, 5 Minuten Pause). - Pausen rigoros einhalten
Kurze Pausen alle 90 Minuten sind wichtig, um die Konzentration zu erhalten. Bewegung, frische Luft oder bewusstes Abschalten vom Bildschirm helfen, den Stresspegel zu senken. - Delegieren lernen
Analysiere regelmäßig, welche Aufgaben zwingend deine Expertise erfordern und welche delegiert werden können. Tools wie Trello oder Asana erleichtern die Aufgabenverteilung im Team. - Digitale Grenzen setzen
Definiere feste Kommunikationszeiten und schalte Push-Nachrichten aus. Ein „Digital Detox“ am Abend oder am Wochenende kann helfen, die mentale Erholung zu fördern. - Körperliche Signale ernst nehmen
Warnzeichen wie Schlafprobleme, Gereiztheit, Kopfschmerzen oder ständige Müdigkeit sind ernst zu nehmen. Frühzeitig reagieren, bevor sich chronische Erschöpfung entwickelt. - Gesunde Routinen etablieren
Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und feste Schlafzeiten sind essenziell. Schon 30 Minuten Spaziergang täglich können Stresshormone senken. - Professionelle Unterstützung suchen
Coaching, Supervision oder psychologische Beratung sind keine Schwäche, sondern eine Investition in die eigene Leistungsfähigkeit. Viele Krankenkassen bieten Präventionskurse an. - Netzwerk nutzen
Austausch mit anderen Gründer:innen kann entlasten. Peer-Gruppen oder Gründer-Communities bieten Raum für Erfahrungen und Tipps.
Gründen heißt, Verantwortung zu übernehmen – doch genauso wichtig ist es, diese Verantwortung sich selbst gegenüber wahrzunehmen. Burnout ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Warnsignal: Es lohnt sich, früh dagegen zu steuern – für sich selbst, das Team und das gesamte Projekt.
Mehr erfahren und Hilfe finden
Burnout ist ein ernstes Thema – wer erste Warnsignale erkennt, sollte nicht zögern, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Weiterführende Informationen und Angebote in Mecklenburg-Vorpommern:
www.auf-nach-mv.de/gesundheit/gesund-werden/burnout
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