Die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern (BMV) kommt für eine Vielzahl an Unternehmen genau dann ins Spiel, wenn gute Ideen an einer ganz praktischen Hürde scheitern: fehlenden Sicherheiten für die Finanzierung.
Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern entscheidet dieser Punkt oft darüber, ob investiert, gegründet oder ein Betrieb erfolgreich übergeben werden kann – oder eben nicht.
Felix Bissa kennt diese Situationen aus der Praxis. Nach beruflichen Stationen außerhalb kehrte der 39-Jährige bewusst nach MV zurück und und verantwortet bei der BMV seit Anfang 2026 als Leiter Markt und Kundenbetreuung die Schnittstelle zwischen Unternehmen, Banken und Förderstrukturen.

Ob Gründung, Wachstum oder Nachfolge – nicht das Konzept ist oft das Problem, sondern die Finanzierung.
Im Interview mit GründerMV erklärt Felix Bissa von der Bürgschaftsbank MV, woran es in der Praxis liegt und was Unternehmen konkret besser machen können.
„Finanzierung scheitert selten an der Idee“
Herr Bissa, welche Rolle übernimmt die Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern im Finanzierungssystem? Wann sollten sich Unternehmen an Sie wenden?
Die Bürgschaftsbank ist ein Finanzierungspartner und Sparrings-Partner für den Mittelstand im Land. Wir unterstützen Unternehmen und Selbstständige bei der Krediteinwerbung, wenn die wirtschaftliche Idee überzeugt, aber die von der Bank eingeforderten Kreditsicherheiten nicht ausreichen oder noch nicht ausreichen. Hier nehmen wir der finanzierenden Bank über Ausfallbürgschaften einen Teil des Risikos ab.
„Finanzierung scheitert selten an der Idee – sondern an fehlenden Sicherheiten oder mangelnder Vorbereitung.“
Eine frühzeitige Einbindung ist absolut sinnvoll. Sind wir frühzeitig mit dabei, können wir den Unternehmerinnen und Unternehmern noch vor den ersten Bankgesprächen ein Feedback zu den später einzureichenden Unterlagen geben.
Mein Team und ich begleiten Unternehmen, Existenzgründende sowie Nachfolgeinteressierte bei Finanzierungsfragen und stehen im engen Austausch mit Banken, Sparkassen, Wirtschaftsförderern, Verbänden und weiteren Partnern im Land.
Aktuell beläuft sich der verbürgte Kreditbestand der Bürgschaftsbank Mecklenburg-Vorpommern auf rund 270 bis 300 Millionen Euro – und ist damit ein zentraler Bestandteil der Wirtschaftsförderung im Land.
Mittelstand im Fokus
Ihr Fokus geht weit über Start-ups hinaus. Warum sind gerade kleine und mittlere Unternehmen für Ihre Arbeit so zentral?
Der wirtschaftliche Kern unseres Landes besteht aus kleinen und mittleren Unternehmen: vom Handwerksbetrieb über den Einzelhandel bis hin zum produzierenden Mittelstand. Diese Unternehmen sichern Arbeitsplätze, bilden aus und sorgen für wirtschaftliche Stabilität in unserem Bundesland.
Natürlich begleiten wir auch innovative Gründungen. Aber ebenso wichtig sind bestehende Betriebe, die investieren, modernisieren oder ihre Nachfolge regeln möchten. Häufig stehen genau diese Unternehmen vor Herausforderungen bei der Finanzierung, obwohl ihr Geschäftsmodell seit Jahren funktioniert und rentabel ist.
Deshalb sehen wir unsere Aufgabe darin, die gesamte Breite der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern zu begleiten, nicht nur einzelne Branchen oder Unternehmensphasen.
Vorbereitung: Das eigentliche Problem
Woran scheitern Finanzierungen aus Ihrer Erfahrung am häufigsten – an der Idee, an den Zahlen oder an der Vorbereitung auf das Bankgespräch?
In vielen Fällen scheitert es nicht an der eigentlichen Idee, sondern an der Vorbereitung. Unternehmerinnen und Unternehmer kennen ihr Geschäft meist sehr gut, können ihre Vorhaben im Finanzierungsgespräch aber nicht immer klar und nachvollziehbar darstellen.
Banken achten vor allem auf drei Dinge: Ist das Geschäftsmodell tragfähig? Sind die Zahlen realistisch? Und wirkt die Unternehmerperson vorbereitet und glaubwürdig?
Wer seine Planung sauber aufbereitet, Chancen und Risiken offen anspricht und die wirtschaftlichen Zusammenhänge erklären kann, verbessert seine Finanzierungschancen deutlich. Gerade bei kleineren Unternehmen erleben wir häufig, dass Potenzial vorhanden ist, die Vorbereitung aber zu wenig Priorität hatte.
Geschäftsplan als strategisches Werkzeug
Welche Bedeutung hat ein gut ausgearbeiteter Geschäftsplan heute noch? Was erwarten Banken konkret von Unternehmerinnen und Unternehmern?
Ein Geschäftsplan bleibt weiterhin ein zentrales Instrument, nicht nur für Banken, sondern auch für die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst. Er zwingt dazu, das eigene Vorhaben strukturiert zu durchdenken.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um lange Texte. Entscheidend ist, dass das Konzept nachvollziehbar ist und die wirtschaftlichen Annahmen plausibel wirken. Banken erwarten unter anderem eine realistische Liquiditätsplanung, nachvollziehbare Umsatzannahmen und eine klare Strategie.
Ebenso wichtig ist die Unternehmerperson selbst. Banken möchten erkennen, dass sich jemand intensiv mit Markt, Wettbewerb und Risiken auseinandergesetzt hat und auch schwierige Phasen einschätzen kann.
Typische Fehler im Bankgespräch
Welche Fehler begegnen Ihnen in Bankgesprächen häufig und wie lassen sich diese vermeiden?
Ein häufiger Fehler ist, dass Vorhaben zu optimistisch dargestellt werden. Wer ausschließlich Chancen betont und Risiken ausblendet, wirkt schnell wenig glaubwürdig.
Außerdem erleben wir oft, dass Zahlen nicht ausreichend aufbereitet sind oder Unternehmerinnen und Unternehmer ihre eigene Planung nicht sicher erklären können. Gerade bei Liquidität, Kapitalbedarf oder Investitionssummen sollte man jederzeit aussagefähig sein.
Hilfreich ist es, sich auf Gespräche intensiv vorzubereiten, Unterlagen vollständig bereitzustellen und auch kritische Fragen offen zu beantworten. Banken erwarten keine Perfektion, aber Transparenz und eine realistische Einschätzung.
Unternehmensnachfolge: Finanzierung und Herausforderung
Sie sind auch als Träger der Nachfolgezentrale MV aktiv. Warum ist Unternehmensnachfolge häufig nicht nur ein organisatorisches, sondern vor allem ein Finanzierungsthema – und wo liegen aktuell die größten Herausforderungen?
Bei Unternehmensnachfolgen geht es häufig um erhebliche Summen. Kaufpreise, Investitionen in Modernisierung oder notwendige Betriebsmittel müssen finanziert werden. Gleichzeitig verfügen Nachfolgerinnen und Nachfolger oft noch nicht über ausreichende Sicherheiten oder Eigenkapital.
„Ohne passende Finanzierungslösungen scheitern sonst auch wirtschaftlich gesunde Betriebe an der Übergabe.“
Unternehmensnachfolge ist darüber hinaus ein sehr komplexer Prozess, der weit über die reine Übergabe eines Betriebs hinausgeht. Natürlich spielt die Finanzierung eine zentrale Rolle, gleichzeitig geht es aber ebenso um strategische, persönliche und organisatorische Fragen.
Eine der größten Herausforderungen ist der Faktor Zeit. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer beschäftigen sich zu spät mit der Nachfolge. Themen wie Unternehmensbewertung, steuerliche Fragen, Mitarbeitendenbindung, Digitalisierung oder die Suche nach geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern benötigen oft mehrere Jahre Vorlauf.
Hinzu kommt, dass Käuferinnen und Käufer heute stärker auf wirtschaftliche Perspektiven, Investitionsbedarfe und Finanzierungsmöglichkeiten achten. Gerade kleinere Betriebe verfügen oft über wenig dokumentierte Prozesse oder stehen vor Modernisierungsaufgaben.
Auch die emotionale Komponente spielt eine große Rolle. Für viele Inhaberinnen und Inhaber ist das eigene Unternehmen ein Lebenswerk. Eine Übergabe bedeutet deshalb nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine persönliche Veränderung.
Mit der Nachfolgezentrale MV gibt es ein unabhängiges, öffentlich gefördertes Angebot, das Nachfolgeinteressierte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer zusammenbringt und im gesamten Prozess begleitet.
Regionale Perspektive
Eine Vielzahl der Unternehmen in den neuen Bundesländern hat historisch andere Voraussetzungen als Betriebe in den alten Bundesländern. Wo sehen Sie aktuell die größten Unterschiede – und welche Folgen hat das für Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern?
Viele ostdeutsche Unternehmen haben historisch andere Voraussetzungen als Unternehmen in westdeutschen Ballungsräumen. Häufig fehlen gewachsene Eigenkapitalstrukturen oder große Unternehmensnetzwerke.
Gleichzeitig stehen ländliche Regionen vor zusätzlichen Herausforderungen, etwa beim Fachkräftemangel, bei Infrastrukturfragen oder bei der Unternehmensnachfolge.
Trotzdem erleben wir in Mecklenburg-Vorpommern viele engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer mit guten Ideen und hoher Innovationskraft. Entscheidend ist, dass Finanzierungszugänge und wirtschaftliche Rahmenbedingungen auch in strukturschwächeren Regionen funktionieren.
Chancen im ländlichen Raum
Trotz dieser Herausforderungen sehen Sie großes Potenzial im ländlichen Raum. Wo liegen hier aus Ihrer Sicht die wichtigsten Chancen?“
Ländliche Regionen bieten zugleich genau die Rahmenbedingungen, die viele Unternehmen heute wieder stärker schätzen: verfügbare Flächen, enge Netzwerke, eine hohe Lebensqualität und vergleichsweise geringe Kosten.
Hinzu kommen Entwicklungspotenziale in Branchen wie Tourismus, erneuerbare Energien, Gesundheitswirtschaft, Handwerk oder regionale Produktion.
Auch die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, unabhängig vom Standort erfolgreich zu arbeiten. Dadurch entstehen gerade in strukturschwächeren Regionen zunehmend Chancen für unternehmerisches Wachstum.
Blick nach vorn
Was geben Sie Unternehmerinnen und Unternehmern mit, die aktuell vor einer Finanzierungs- oder Nachfolgeentscheidung stehen?
Wichtig ist vor allem, frühzeitig ins Gespräch zu gehen und sich Unterstützung zu holen. Viele Herausforderungen lassen sich deutlich besser lösen, wenn ausreichend Zeit für Vorbereitung und Planung vorhanden ist.
Außerdem sollte man das Thema Finanzierung nicht nur als Hürde sehen, sondern als strategischen Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Wer seine Zahlen kennt, realistisch plant und offen kommuniziert, schafft Vertrauen bei Finanzierungspartnern.
Und gerade bei Nachfolgen gilt: nicht zu lange warten. Erfolgreiche Übergaben brauchen Zeit, gute Vorbereitung und oft mehrere Beteiligte, die gemeinsam an einer Lösung arbeiten.
Mecklenburg-Vorpommern verfügt über viele starke mittelständische Unternehmen mit guten Perspektiven. Entscheidend ist, diese Potenziale sichtbar zu machen und den Unternehmen passende Finanzierungsmöglichkeiten an die Seite zu stellen.
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Titelbild: © VTM

