Finanzierung: Ein entscheidender Faktor für den Erfolg!

Ein Unternehmen muss jederzeit in der Lage sein, Verbindlichkeiten an Lieferanten, Rechnungen für Versicherungen, Kredittilgungen, Steuerzahlungen usw. zu begleichen.

Zuletzt aktualisiert: 23.01.2024

Deshalb musst du dich vor der Gründung vor allem mit der finanziellen Seite der Geschäftsidee auseinander setzen. Nur eine gute Idee und den Willen für eine Unternehmung zu haben, reicht nicht!

Welche Ausgaben werden für dich anfallen?

Dazu musst du dich zunächst fragen, welche Anschaffungen und Investitionen müssen vor der Gründung getätigt werden, z. B.:

  • Brauche ich ein Auto?
  • Will ich ein Ladengeschäft einrichten?
  • Wie soll das Unternehmen ausgestattet werden? Was braucht man an Technik, Software oder Raumausstattung, werden Werkzeuge benötigt, müssen Lizenzen erworben werden…?
  • Was muss für die Warenerstausstattung ausgegeben werden?
  • Welche Kosten muss ich einplanen für Erstwerbung/Markterschließung, wie z. B. für eine Website oder Werbematerialien?
  • Welche Kosten für Beratungen und Gebühren, z. B. Gewerbeanmeldung oder Eintrag in die Handwerksrolle, für benötigte Konzessionen oder Nachweise, Notar- oder Anwaltskosten, fallen an?
  • Muss Kaution bezahlt werden für die Miete, Geräte oder ähnliches?

Du musst dich natürlich auch mit den zu erwartenden laufenden Kosten nach der Gründung auseinander setzen.
Was wird beispielsweise fällig für:

  • Miete
  • Versicherungen, sowohl für das Unternehmen als auch privat
  • Wareneinkäufe
  • Zahlung von Zinsen
  • Betriebsmittel
  • Strom, Heizkosten, Benzin oder Telefon/Internet,
  • Kosten für Abonnements/Lizenzen z. B. für Software
  • Mitarbeitergehälter und Sozialversicherungsbeiträge
  • Steuerzahlungen an das Finanzamt
  • Gibt es Anschaffungen, die erst in den kommenden Jahren notwendig oder gewünscht sind, aber jetzt schon geplant werden (müssen)?

Mit welchen Einnahmen kalkulierst du?

Wichtig ist natürlich auch eine realistische Einschätzung der Einnahmen, die den Ausgaben gegenüber stehen. Dabei geht es z. B. um folgende Fragen:

  • Welchen Absatz muss ich schaffen und wie hoch soll die Gewinnspanne sein?
  • Will ich Rabatte oder Skonto anbieten (was mit einkalkuliert werden muss)?
  • Werden meine geplanten Einnahmen regelmäßig fließen oder gibt es - wie  z. B. oft in der Landwirtschaft, der Gastronomie oder im Eventbereich - saisonale Höhepunkte, die die anderen Monate mit geringeren Einnahmen „mitfinanzieren“ müssen?
  • Gehe ich davon aus, dass die Einnahmen kontinuierlich steigen bzw. welches Niveau strebe ich an?
  • Bevor die ersten Einnahmen kommen bzw. das erste Geld fließt, kann es schon eine Weile dauern. Deshalb: Welche Rücklagen habe ich, um eventuelle Engpässe zu überbrücken?

Stelle einen Liquiditätsplan auf, ohne geht es nicht!

Alle erfassten Positionen spiegeln sich dann im Liquiditätsplan wider.
Hast du diese detaillierte Übersicht über Kosten und Einnahmen, kannst du dich mit der konkreten Finanzierung deiner Geschäftsidee auseinandersetzen: Reicht dein Eigenkapital oder brauchst du doch ein Darlehen?

Wenn du externes Kapital brauchst, solltest du bei bei verschiedenen Banken recherchieren und Angebote einholen.
Wichtig: Eine gute Vorbereitung auf ein Bankgespräch entscheidet oft darüber, ob bzw. in welcher Höhe man einen Kredit bekommt (siehe hierzu auch unseren Beitrag: „Finanzierung: 10 Tipps für das Kreditgespräch).
Eine Alternative könnte für dich auch die Nutzung von Förderprogrammen bzw. -möglichkeiten sein, die oft besonders günstige Konditonen bieten.

Nach der Gründung

Hast du alle Mittel zusammen und das eigene Unternehmen gegründet, darfst du die Liquidität nie aus den Augen verlieren! Wenn nämlich Zahlungsschwierigkeiten auftreten, kann dies schnell das „AUS“ bedeuten, denn bald giltst du als nicht liquide. (Liquidität ist die Fähigkeit, fällige Forderungen bezahlen zu können. Wenn ein Unternehmen 90 Prozent seiner fälligen Rechnungen innerhalb der nächsten drei Wochen nicht bezahlen kann, gilt es als zahlungsunfähig. Dann fehlt dem Unternehmen die Liquidität.)

Deshalb noch folgende Hinweise:

Du solltest dir unbedingt eine kleine Reservesumme zurücklegen, um im Bedarfsfall den drängendsten Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Das kann z. B. auch über einen Kontokorrentkredit bei deiner Hausbank abgesichert werden.
Geschäftskonto und Privatkonto solltest du strikt trennen und bei verschiedenen Banken haben! Gibt es Probleme auf dem Geschäftskonto, kann du schnell handeln und beispielsweise die dringendsten Überweisungen über das Privatkonto bei der anderen Bank laufen lassen.

Und wenn es doch mal enger als eng wird?

Reden! Sofort mit allen reden, die Geld kriegen müssen! Die Bank muss wissen, wenn es Probleme gibt, damit sie dir nicht vorschnell "den Hahn zudreht". Auch Vermieter oder Lieferanten kommen dir eventuell bei finanziellen Problemen entgegen, weil sie natürlich die (bis dahin gut laufende) Geschäftsbeziehung aufrechterhalten wollen.

Wichtig ist auch:

Engpässe können durchaus mal für ein paar Monate entstehen, z. B. durch Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle. Zeichnet sich aber ab, dass die Probleme größer sind und eine Besserung nicht in Sicht ist, solltest du dir dringend Unterstützung und Beratung suchen, z. B. bei IHK, HWK oder deinem Branchenverband.
Und im Extremfall solltest du rechtzeitig die Reißleine ziehen - was nicht unbedingt das Ende deiner Firma bedeuten muss! Es gibt z. B. die Möglichkeit der Regelinsolvenz. Die soll Schulden abbauen und zahlungsunfähige Unternehmen wieder profitabel gestalten.

Ein weiterer Tipp:
Im Idealfall ist dein Liquiditätsplan Teil eines Businessplanes, der alle Aspekte der Gründung umfasst (siehe hierzu unseren Beitrag: "Wozu brauche ich einen Businessplan?").