Unternehmensnachfolge im Kostümverleih: Wenn ein Lebenswerk weiterlebt

Die erfolgreiche Unternehmensnachfolge des Kostümverleihs „Klamöttchen“ in Rostock zeigt, dass Übergaben in MV gelingen können und macht sichtbar, auf welchen Wegen Adina Flohr den Traditionsbetrieb übernimmt und kreativ weiterführt.

Zuletzt aktualisiert: 20.02.2026
Zwei Personen in historischen Kostümen stehen im Kostümfundus von Klamöttchen, umgeben von zahlreichen Kleidern und Accessoires im Rahmen der Unternehmensnachfolge im Kostümverleih.

Unternehmensnachfolge im Kostümverleih: Beim Rostocker Traditionsbetrieb „Klamöttchen“ zeigt sich, wie lebendig und bedeutsam dieser Prozess sein kann.

Seit dem 1. Januar 2026 führt die gebürtige Rostockerin und Fotografin Adina Flohr den größten Kostümverleih Mecklenburg-Vorpommerns weiter. Mehr als 3.000 Kostüme, detailreiche Themenräume und über drei Jahrzehnte kreativer Unternehmensgeschichte machen „Klamöttchen“ zu einem besonderen Ort in Rostock-Gehlsdorf.

Mit der Übergabe von Gründerin Katrin Roggatz an ihre Nachfolgerin entsteht ein Beispiel dafür, wie ein Lebenswerk weitergetragen werden kann – mit Respekt, neuen Ideen und einer klaren Vision für die Zukunft.

„Es ist ein Segen, wenn man die Nachfolge früh beginnt. Denn niemand möchte ein gesundes Unternehmen am Ende liquidieren müssen“, sagt Katrin Roggatz, die ihr Unternehmen über drei Jahrzehnte aufgebaut hat.

†

Zurück in der Heimat und vor einer neuen Chance

Nach Jahren in München kehrte Adina Flohr nach Rostock zurück, ursprünglich mit dem Ziel, ein Fotostudio zu übernehmen. Über die Nachfolgezentrale MV ließ sie sich beraten – ohne zu ahnen, dass sich die Suche bald in eine ganz andere Richtung bewegen würde.

Parallel bereitete Katrin Roggatz ihre Unternehmensnachfolge vor. Nach mehr als 30 Jahren im Geschäft und einer gesundheitlichen Herausforderung war ihr wichtig, frühzeitig den passenden Zeitpunkt zu finden und einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen.

Beate Somschor von der Nachfolgezentrale erkannte schnell, dass Adina Flohrs fotografischer Hintergrund und die kreativen Eventformate von Klamöttchen gut zusammenpassen könnten. Ein erster Besuch im Geschäft machte für die neue Inhaberin deutlich, welche Möglichkeiten in dem Betrieb stecken – und wie sich ihr Wunsch nach kreativer, selbstbestimmter Arbeit hier verwirklichen lässt.

Die neue Inhaberin Adina Flohr (l.) und die Unternehmensübergeberin
Katrin Roggatz tauschen sich über Kostümentwürfe und Fundusideen aus. Beide betonen, wie wertvoll eine frühzeitige Nachfolgeplanung für den Fortbestand eines Traditionsunternehmens ist.
Fotos: Adina Flohr (2)

Unternehmensnachfolge im Kostümverleih – ein Übergabeprozess gewinnt Tempo

Wie bei jeder Übergabe stellten sich viele Fragen: Wie lässt sich die Struktur eines etablierten Unternehmens übernehmen? Wie stabil ist das Geschäftsmodell langfristig? Und wie finanziert man den Kauf eines solchen Betriebs?

Gerade die Finanzierung erwies sich als Hürde. Kostümverleihe gelten Banken häufig als ungewöhnlich oder saisonabhängig. Erst der Einblick in die tatsächlichen Geschäftszahlen und die durchdachte Vorbereitung der Gründerin schufen Vertrauen und Planungssicherheit: saubere Unterlagen, klare Prozesse und ein über Jahrzehnte gewachsener Betrieb, der regelmäßig schwarze Zahlen schrieb.

Doch für Adina Flohr war nicht nur die wirtschaftliche Seite entscheidend. Ein wesentlicher Teil des Prozesses bestand darin, die eigene Rolle zu finden:
Kann ich das? Will ich das? Passt dieses Unternehmen wirklich zu mir?

Mit jeder Besichtigung, jedem Gespräch und jeder Idee wuchs ihre Klarheit – bis die Entscheidung für die Übernahme schließlich feststand.

„Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn viele Erfahrungen gesammelt und gemerkt, dass Selbstständigkeit die ideale Form ist, um erfüllt zu arbeiten", sagt Adina Flohr und ergänzt: „Ich liebe das freie Arbeiten ohne strenge Vorgaben.“

Schon kurz nach der Auftragserteilung im November stellte die Nachfolgezentrale MV im Februar 2025 eine erste Interessentin vor. Dass die Rückmeldung so schnell erfolgte, überraschte beide Seiten positiv und gab dem Prozess eine frühe Dynamik.

Es folgten intensive Gespräche, Vor-Ort-Termine und Abstimmungen. Gemeinsam sortierten beide Seiten Unterlagen, besprachen steuerliche Fragen und klärten Finanzierungsmöglichkeiten. Erst die Kreditzusage gab den Weg frei und im Juli 2025 wurde der Vertrag unterschrieben.

Ein Unternehmen im Wandel und voller Potenzial

Der Kostümverleih hat sich über die Jahre verändert: Weniger klassische Faschingskostüme, stärkere Nachfrage nach Oktoberfest-Outfits, Mottopartys und eleganter Abendgarderobe. Der Fundus von über 3.000 Kostümen bildet heute die Grundlage für vielfältige Erlebnisse.

Die Geschichte von Klamöttchen zeigt eindrucksvoll, welche Chancen eine gut vorbereitete Unternehmensnachfolge im Kostümverleih bietet, besonders dann, wenn Tradition und neue kreative Ideen miteinander kombiniert werden.

Für Adina Flohr bietet der Traditionsbetrieb große Gestaltungsmöglichkeiten. Sie möchte Klamöttchen digitaler aufstellen und sich bewusst von Billiganbietern aus Fernost absetzen. Qualität, Nachhaltigkeit und regionale Stärke sollen zukünftig noch stärker sichtbar werden.

Die neue Inhaberin plant außerdem:

  • die digitale Kommunikation zu modernisieren,
  • Fotografie und Verkleidung zu Erlebnisangeboten zu verbinden,
  • Shooting-Konzepte für verschiedene Epochen zu entwickeln,
  • Kindergeburtstage, Mottopartys und Junggesellenabschiede auszubauen sowie
  • die digitale Kommunikation zu modernisieren.

Fazit: Ein Beispiel, das Mut macht

Die Nachfolge von „Klamöttchen“ macht deutlich, was möglich wird, wenn Erfahrung und frische Ideen aufeinandertreffen. Die Verbindung aus Fotografie, Verkleidungskunst und Eventformaten eröffnet ganz neue Wege für das Traditionsunternehmen – und zeigt, wie eine Unternehmensnachfolge im Kostümverleih gelingen kann, wenn beide Seiten offen für kreative Entwicklungen bleiben.

Für andere Unternehmen lässt sich daraus ein klarer Impuls ableiten: Der Blick über die eigene Branche hinaus kann entscheidend sein. Manchmal entsteht die beste Nachfolge, wenn unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen und ein Betrieb dadurch neue Facetten gewinnt.

So wird aus einer Übergabe nicht nur eine Bewahrung – sondern ein kraftvoller Neuanfang.

Tipps für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge

1. Frühzeitig planen

Idealerweise drei bis fünf Jahre vor der Übergabe beginnen, so bleibt ausreichend Zeit für Suche, Bewertung und Vorbereitung.

2. Professionelle Unterstützung nutzen

Nachfolgezentrale, IHK, Steuer- und Unternehmensberater:innen geben Orientierung und strukturieren den Prozess.

3. Transparente Unternehmenszahlen aufbereiten

Sortierte Auswertungen, Verträge und Strukturen schaffen Vertrauen und erleichtern die Finanzierung.

4. Den Betrieb übergabefähig machen

Dokumentierte Abläufe, aktualisierte Verträge und klare Strukturen helfen beiden Seiten.

5. Offene Kommunikation führen

Erwartungen, Ziele und Rollen früh klären. So entsteht Vertrauen.

6. Finanzierung früh sichern

Förderprogramme, Banken und ggf. Kombinationen aus Eigenkapital sorgfältig prüfen.

7. Übergangsphase nutzen

Wissen, Kontakte und Abläufe systematisch übergeben.

8. Emotionale Faktoren berücksichtigen

Nachfolge ist nie nur ein wirtschaftlicher Prozess, auch das Loslassen spielt eine große Rolle.

9. Potenziale erkennen und mutig weiterdenken

Ein Unternehmen sollte nicht kopiert, sondern weiterentwickelt werden.

10. Netzwerke aktiv einbinden

Regionaler Austausch stärkt Sicherheit und Sichtbarkeit für beide Seiten.

11. Branchenuntypische Chancen nutzen

Die Klamöttchen-Geschichte zeigt: Die beste Nachfolgerin kommt nicht immer aus derselben Branche.
Offenheit für Quereinsteiger:innen erweitert die Möglichkeiten und kann völlig neue Potenziale freisetzen.

Du planst selbst eine Unternehmensnachfolge?

Wenn du vor einer Übergabe oder Übernahme stehst und dir Orientierung wünschst, findest du auf GründerMV jede Menge Wissen, praktische Tipps und echte Geschichten aus Mecklenburg-Vorpommern.