Checkliste: 10 Tipps für den Schritt in die Selbstständigkeit

Jede Geschäftsidee ist anders und jede hat ihre speziellen Wege. Aber einige grundsätzliche Dinge haben alle bei der Planung einer Gründung mehr oder weniger gemeinsam.

Zuletzt aktualisiert: 14.02.2024

Nachfolgend ein paar Anregungen und Tipps, die dir helfen sollen, wenn du dich auf den Weg in die Selbstständigkeit machst.

1. Künftig Chef:in: Bin ich überhaupt ein Unternehmertyp?

Mach dir ein Bild über den Alltag von Unternehmer:innen!
Vielleicht kannst du mit Selbstständigen persönlich sprechen oder du liest Geschichten und Interviews, in denen Gründer und Gründerinnen von ihrem Alltag, ihren Erfolgen, aber auch von Problemen und Hürden berichten (wie z. B. in unseren Gründerstorys über Gründer aus MV).
Überlege, ob du dir das auch zutraust, denn „selbstständig" bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes wirklich "selbst" und "ständig".
Auf den Seiten des BMWK findest du zur Unterstützung eine Checkliste, die dir helfen soll, festzustellen, ob du wichtige Voraussetzungen für eine berufliche Selbständigkeit erfüllst.

2. Prüfe deine Geschäftsidee und deine persönlichen Voraussetzungen

Lässt sich deine Idee umsetzen? Kläre dafür in einem ersten Check:
Gibt es einen Bedarf an deinem Angebot oder kannst du Bedürfnisse wecken?
Wer sind deine potenziellen Kunden? Wo willst du sie finden? Wie willst du sie erreichen?
Wo könnte ein guter Standort sein für dein geplantes Unternehmen?
Wer sind deine Mitwettbewerber? Wo, mit welchen Leistungen und Preisen sind diese aktiv? Ganz wichtig dabei: Was unterscheidet dein Angebot von dem deiner künftigen Konkurrenz?

Stelle deiner Familie oder Freunden die Geschäftsidee vor!
Für die meisten ist es ganz wichtig, dass die Familie das Vorhaben voll und ganz unterstützt. Das macht vieles leichter! Und wenn die Familie oder auch die Freunde nicht begeistert sind, höre dir unbedingt ihre Argumente an. Vielleicht - und im besten Fall - erhältst du ja wichtige Hinweise und kannst deine Geschäftsidee in bestimmten Punkten anpassen oder sogar noch verbessern.

Baue ein Informations-Netzwerk auf!
Ansprechpartner für erste Informationen sollte immer eine kommunale Wirtschaftsförderung, eine Industrie- und Handelskammer (IHK), eine Handwerkskammer (HWK), die zuständige Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter, Gründungsberater oder eine örtliche Gründungsinitiative sein.
Entstehen Kosten, kannst du in bestimmten Fällen einen Zuschuss zu den Beratungskosten bei der Beratungsförderung des Bundes beantragen.

Und nicht vergessen:
Welche fachlichen und kaufmännischen Fähigkeiten besitzt du, um die geplante Geschäftsidee in die Tat umzusetzen? Welche brauchst du noch?
Auch hierbei können dir die Ansprechpartner aus deinem Informationsnetzwerk helfen!

3. Nutze Angebote zur Existenzgründungsberatung oder zur Weiterbildung

Meist sind die Erstberatungen kostenlos oder werden bezuschusst. Sie werden beispielsweise von Kammern, Vereinen und Verbänden aber auch von privaten Existenzgründungsberatern angeboten. In diesen Beratungen stellt sich schnell heraus, ob und welchen Beratungs- und Schulungsbedarf du noch hast.
(Tipp: Auf unserem Portal findest du einen Wegweiser mit Ansprechpartnern aus MV, die Unterstützung auf den verschiedensten Gebieten anbieten.)

In Mecklenburg-Vorpommern werden zahlreiche Kurse für Existenzgründer angeboten, wie z. B. über den Bildungsscheck für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen, der vom Land anteilig finanziell gefördert wird. Buchführung, Steuern, Recht, Internet, Informationen zum Businessplan und viele andere wichtige Themen werden in diesen Kursen gelehrt. Eine Kursteilnahme verpflichtet dich nicht, zu gründen.

4. Schreibe einen Businessplan

Nun wartet die eigentliche Arbeit auf dich: Das Ausarbeiten und Schreiben des Businessplans (siehe hierzu auch unseren Beitrag „Wozu brauche ich einen Businessplan?“).

Hierzu benötigst du Detailinformationen zu:

  • deinem Produkt / deiner Dienstleistung 
  • deinen Kunden
  • deinen Konkurrenten
  • deinem Standort
  • deinen Preisen
  • deinen Lieferanten
  • deinem eventuellen Arbeitskräftebedarf
  • deinen Kommunikations- und Werbemaßnahmen 
  • der möglichen Rechtsform deines Unternehmens 
  • den Chancen und Risiken deines Vorhabens 
  • deinem Kapitalbedarf  und
  • der geplanten Finanzierung dieses Kapitalbedarfs.

Um typische Fehler zu vermeiden, solltest du beim Businessplan nichts dem Zufall überlassen. Die größte Schwäche ist oft eine mangelhafte Finanzplanung (siehe hierzu auch unseren Beitrag „Finanzierung: Ein entscheidender Faktor für den Erfolg!“). Hier ist besonders wichtig: Plane nicht zu knapp!

5. Kläre deinen Finanzierungsbedarf

Nachdem du weißt, was du an finanziellen Mitteln benötigst, kläre ab, ob du über ausreichend Startkapital verfügst. In der Regel besitzt du sicher etwas Eigenkapital. Das wird aber nur in den seltensten Fällen reichen. Deshalb wirst du Fremdkapital benötigen, um die Differenz auszugleichen.
Vergiss vor allem nicht: Da die Umsätze in der Anfangsphase häufig noch gering sind, musst du vielleicht die Startphase finanziell überbrücken.

6. Suche dir bei Bedarf externe Finanzierer

Wenn dein Eigenkapital nicht ausreicht, kannst du dir zum Beispiel bei einem Kreditinstitut Geld leihen.
Ob du einen Kredit bei der Bank bekommst, hängt wesentlich von der Qualität deines Businessplans und deinem persönlichen Auftreten ab.
Bereite dich deshalb gut auf das Bankgespräch vor! Nur wer hier überzeugt, hat eine Chance, einen Kredit zu bekommen (siehe hierzu auch unseren Beitrag „Finanzierung: 10 Tipps für das Kreditgespräch“).

Eine weitere Möglichkeit der anteiligen Finanzierung sind Förderdarlehen des Bundes oder des Landes. Welche Förderprogramme es gibt, findet du in unserem Wegweiser „Förderprogramme – die wichtigsten auf einen Blick“.
Wenn du aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen willst, kannst du bei der Agentur für Arbeit zudem den Gründungszuschuss oder beim Jobcenter das Einstiegsgeld beantragen (siehe hierzu unseren Beitrag „Erfolgreich in die Selbstständigkeit starten: Strategien für Arbeitslose auf dem Weg zum Neustart“).

7. Kläre die Formalitäten

Wer ein Unternehmen gründet, hat vieles zu beachten - auch, dass es eine Reihe von formalen Vorschriften gibt.
Benötigst du für die Gründung deines Unternehmens eine Erlaubnis oder Genehmigung bzw. eine Fachkundeprüfung? Wo musst du deine Firma überall anmelden?
In unserem „Behördenwegweiser für Gründungsinteressierte und Gründende“ findest du eine Übersicht über alle wichtigen Behörden und Ämter, die für deine Unternehmensgründung von Bedeutung sein könnten.

8. Kümmere dich um deine persönliche und betriebliche Absicherung

Sorge ausreichend und passgenau vor - für dich selbst, deine Familie und deinen Betrieb! Kläre unbedingt, welche private und betriebliche Unfallversicherung, welche Kranken- und Pflegeversicherung und Altersvorsorge für dich notwendig und geeignet ist.
Auch wenn du Mitglied deiner gesetzlichen Krankenversicherung bleiben möchtest, musst du das beantragen. Denke auch an deine bisherige gesetzlichen Rentenversicherung, die mit Unternehmensgründung nicht mehr automatisch wie bisher weiterläuft.
Überlege auch, ob du dich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versichern willst.
Ausführliche Informationen zum Thema, welche Versicherungen du als Selbstständige:r eventuell brauchst, findest du in unserem Beitrag „Welche Versicherungen braucht mein Unternehmen wirklich?

9. Bereite deinen unternehmerischen Auftritt vor

Als wichtigem Schritt vor dem Start in die Selbstständigkeit solltest du dir Gedanken über einen professionellen Auftritt machen: Dazu gehören beispielsweise Logo, Visitenkarten, Briefpapier und auch ein informativer und werbewirksamer Internetauftritt. Vergiss dabei nicht die sozialen Medien, wie Facebook, Twitter, Instagramm, LinkedIn ...
Wenn du nicht vom Fach bist, solltest du vielleicht eine Agentur beauftragen oder dich zumindest beraten lassen. Denn schlecht gemachtes Marketing kann durchaus negative Folgen für deine neue Firma haben!
Es gibt viele Fallstricke, z. B. wenn du deine Zielgruppe falsch ansprichst oder sogar unabsichtlich verärgerst, wenn deine Firma "unseriös" erscheint, wenn deine Internetseite oder dein Facebook-Auftritt Interessenten eher abschrecken als motivieren oder du rechtliche Fehler machst ... (siehe dazu auch unseren Beitrag: "Vermarktung: Wie mache ich mein Unternehmen bekannt?")

10. Nutze Beratungsangebote auch nach deinem Start in die Selbstständigkeit

Schon kurz nach dem Start in die Selbstständigkeit läuft meist einiges anders als geplant. Vielleicht kommen auch bislang nicht angedachte Aufgaben auf dich zu.
Um diese Hürden richtig zu meistern, nutze geeignete Beratungsangebote! So vermeidest du Fehler, sparst Zeit und Kosten. Auch wenn mal etwas "schiefläuft", suche dir schnellstens Hilfe und Unterstützung!
Die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern haben beispielsweise Betriebsberater für ihre Mitglieder.
Mit Hilfe des bundesweiten Förderprogramms „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ kannst du dir als Jungunternehmer:in zudem einen Unternehmensberater „leisten“. Du zahlst einen geringen Eigenanteil für Beratungsleistungen in Höhe von bis zu 2.800,00 €.

Unser Tipp zum Schluss

Suche immer den Kontakt zu anderen Gründer:innen und Unternehmer:innen und werde in Netzwerken aktiv. Dafür eignen sich besonders gut natürlich Gründungsstammtische, die auch in Mecklenburg-Vorpommern in verschieden Orten angeboten werden.
Sich hier über Probleme und Erfahrungen auszutauschen, neue Beziehungen zu knüpfen oder sich Unterstützung zu holen – das ist ganz sicher etwas, dass dich als Gründer:in voranbringt und stärkt!

Extra-Tipp

Viele nützliche Informationen zum Start in die Selbstständigkeit erhältst bei den Angeboten des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK), zum Beispiel: