Franchising als Weg in die Selbstständigkeit rückt aktuell wieder stärker in den Fokus – allerdings unter anderen Vorzeichen als noch vor einigen Jahren. In einer Zeit, in der wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Kosten und eine vorsichtigere Finanzierungspraxis den Gründungsalltag prägen, suchen viele angehende Unternehmer:innen nach Strukturen, die Orientierung bieten und Risiken besser kalkulierbar machen.
Für manche gilt Franchising dabei als möglicher Mittelweg zwischen freier Gründung und angestellter Tätigkeit.
Doch Gründen mit System ist längst keine einfache Lösung mehr. Wer sich heute für Franchising entscheidet, wägt in der Regel bewusst zwischen unternehmerischer Freiheit und vertraglicher Bindung ab.
Wie sich die Perspektive auf Franchising verändert hat
Über lange Zeit verbanden viele Franchising vor allem mit Expansion, Markenstärke und schnellem Markteintritt. In wirtschaftlich stabilen Phasen sahen viele darin eine vergleichsweise risikoarme Möglichkeit, mit einem erprobten Konzept in die Selbstständigkeit zu starten. Wachstum stand im Vordergrund – sowohl auf Seiten der Systeme als auch bei den Erwartungen der Gründer:innen.
Diese Perspektive hat sich spürbar verschoben. Wirtschaftliche Verwerfungen der letzten Jahre, steigende Betriebs- und Finanzierungskosten sowie ein insgesamt vorsichtigeres Gründungsklima führen dazu, dass Gründer:innen heute differenzierter entscheiden. Heute verstehen viele Franchising weniger als Abkürzung, sondern als strukturierte Gründungsform, die klare Regeln, langfristige Bindungen und finanzielle Verpflichtungen mit sich bringt.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Franchisegeber: Sie müssen Transparenz schaffen, professionell begleiten und tragfähige Wirtschaftlichkeitsmodelle vorlegen. Markenbekanntheit oder schnelle Expansion allein reichen nicht mehr aus.
Welche Kosten Franchising realistisch mit sich bringt
Diese Struktur hat ihren Preis. Wer Franchising als Weg in die Selbstständigkeit in Betracht zieht, sollte die Gebühren realistisch einplanen und frühzeitig in die eigene Kalkulation integrieren.
Laut Deutschem Franchiseverband (DFV) bewegen sich die einmaligen Einstiegs- bzw. Eintrittsgebühren bei den meisten Systemen im fünfstelligen Bereich, häufig zwischen 10.000 und 30.000 Euro. Franchisegeber erheben diese Gebühr zu Beginn der Zusammenarbeit und decken damit in der Regel Schulungen, Systemintegration, Markennutzung und die Startbegleitung ab.
Hinzu kommen laufende Franchisegebühren, die die Systeme überwiegend umsatzabhängig berechnen. Nach Angaben des DFV liegen sie in der Praxis meist zwischen 1 und 10 Prozent des Nettoumsatzes, in Einzelfällen – etwa bei sehr umfangreichen Systemleistungen – auch darüber.
Zusätzlich verlangen viele Systeme Marketing- oder Werbegebühren. Diese bewegen sich häufig im Bereich von 1 bis 5 Prozent des Umsatzes und finanzieren zentrale Marketingmaßnahmen, Kampagnen und den Markenauftritt. Entscheidend bleibt dabei nicht nur die Höhe, sondern auch die Transparenz der Mittelverwendung.
Kurz zusammengefasst:
- Einstiegsgebühr: meist 10.000–30.000 Euro
- Laufende Franchisegebühren: ca. 1–10 Prozent vom Umsatz
- Marketinggebühren: häufig zusätzlich 1–5 Prozent
Was für Mecklenburg‑Vorpommern beim Franchising typisch ist
In Mecklenburg-Vorpommern nutzen Gründer:innen Franchising häufig anders als in Ballungsräumen. Statt dichter Filialnetze bekannter Ketten setzen viele auf Systeme, die Struktur, Mobilität und regionale Anpassung ermöglichen.
Vor allem dienstleistungsnahe Konzepte sind stark vertreten – etwa in den Bereichen Gesundheit, Betreuung, Fitness oder mobile Services. Diese Modelle funktionieren auch in kleineren Städten oder im ländlichen Raum, da sie weniger auf Laufkundschaft angewiesen sind und größere Einzugsgebiete abdecken.
Franchising dient in MV daher oft als Strukturhilfe: Es unterstützt Gründer:innen dabei, betriebliche Abläufe, Marketing und Organisation aufzubauen, während sie die Angebote an die regionale Nachfrage anpassen.
Praxisbeispiel aus Vorpommern (fiktiv)
Thomas, Anfang 40, lebt in Vorpommern nahe Greifswald.
Nach mehreren Jahren als angestellter Projektleiter möchte er sich selbstständig machen – am liebsten regional, mit kalkulierbarem Risiko. Eine komplett eigene Geschäftsidee will er nicht von Grund auf entwickeln, fühlt sich aber unsicher bei Themen wie Organisation, Marketing und Preisgestaltung.
Thomas entscheidet sich für ein mobil arbeitendes Dienstleistungs‑Franchise, das keinen festen Ladenstandort benötigt. Sein Vertragsgebiet umfasst nicht nur eine Stadt, sondern einen größeren Einzugsbereich mit kleineren Orten und ländlichen Regionen – ein Modell, das gut zu den Gegebenheiten in Vorpommern passt.
Für den Einstieg zahlt er eine Einstiegsgebühr im unteren fünfstelligen Bereich. Laufend fallen rund 6 Prozent Franchisegebühren sowie 2 Prozent Marketinggebühren auf den Umsatz an. Im Gegenzug erhält er Schulungen, klare Prozesse, Unterstützung bei der Außendarstellung und einen festen Ansprechpartner im System.
Im Alltag zeigt sich schnell: Der Erfolg hängt weniger von der Marke ab als von persönlicher Präsenz, regionaler Vernetzung und Vertrauen. Das Franchisesystem gibt Thomas Struktur und Rückhalt, die Anpassung an die Region übernimmt er selbst.
Für ihn ist Franchising kein schnelles Wachstumsmodell, sondern ein tragfähiger Einstieg in die Selbstständigkeit, der zur regionalen Struktur passt.
Franchising oder freie Gründung?
Franchising ersetzt die klassische Existenzgründung nicht, sondern ergänzt sie als alternative Form. Während die freie Gründung mehr Gestaltungsspielraum bietet, punktet Franchising mit Struktur und erprobten Abläufen. Entscheidend ist weniger das Modell als die Frage, welche Form zur eigenen Persönlichkeit, Erfahrung und Lebenssituation passt.
Franchising ist 2026 kein Trend, sondern eine bewusste Entscheidung. Wer diesen Weg wählt, sollte weder schnelle Erfolge erwarten noch die damit verbundenen Bindungen unterschätzen. Richtig eingeordnet kann Franchising einen strukturierten Weg in die Selbstständigkeit bieten.
Eine grundlegende Einführung ins Thema findest du hier im GründerMV-Ratgeber.
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